Skip to content

Von Berlin nach Kopenhagen mit dem Fahrrad

Vorwort

Auch 2021 war Corona noch nicht vorbei und hat meine Reisepläne beeinflusst. Lange sah es in dem Jahr fast so aus, als wären Urlaubsreisen gar nicht möglich. Impfstoffe waren knapp, Inzidenzen im Frühjahr hoch, die Menschen müde von den Maßnahmen. Im Mai/Juni sanken dann aber die Zahlen rapide, und durch eine glückliche Fügung erhielt ich meine erste Impfdosis Anfang Mai. Aus diesem Grund hatte ich dann auch beschlossen, den ersten Urlaub in den Juli zu verschieben, mit vollständiger Impfung spielten die RKI-Risikogebiete keine Rolle mehr.

Wegen dem Juli entschloss ich mich dann auch für Skandinavien. Der Süden war mir im Hochsommer zu heiß. Der Berlin-Kopenhangen-Radweg erschien mir als logische Fortsetzung des Spreeradwegs, den ich im Jahr zuvor gefahren bin.

Zeit hatte ich diesmal satte 14 Tage. Meine längste Tour bisher.

Planung

Erstmal sollte es unbedingt wieder eine Zelttour werden. In der Mecklenburgischen Seenplatte gibt es einige gute Campingplätze und in Dänemark gibt es neben den normalen Campingplätzen eine sehr große Anzahl an Shelter- und Naturcampingplätzen, die man entweder kostenlos oder für geringes Entgelt nutzen kann. Das macht es unkomplizierter.

Daher hatte ich nicht viel geplant. Die Route stand grob fest, gebucht hatte ich lediglich das Zugticket für die Hinfahrt und die erste Hotelübernachtung in Berlin. Das sollte sich als Fehler erweisen da es die Rückfahrt verkompliziert hat, aber dazu dann später mehr.

Meine Ausrüstung hat sich leicht verändert. Statt der selbstaufblasbaren Isomatte, die sehr viel Platz weggenommen hat, hatte ich dieses Mal eine viel kompaktere, aufblasbare dabei. Dafür kam dann ein Campingkocher dazu, den ich mir im Prinzip wegen Corona gekauft hatte – in meinem Fatalismus im Winter hatte ich mich schon auf eine Wildzelt-Tour eingestellt. Obwohl es zum Glück nicht so kam war der Kocher ein sehr nützliches Utensil, auf den ich auf Zelttouren nicht mehr verzichten möchte.

Und dann kam dann noch ein Stuhl dazu, den ich im Frühjahr gesehen hatte, der nur ein Kilogramm wiegt und der schon sehr nützlich ist, wenn man am Campingplatz oder in der Natur keine Sitzgelegenheiten hat. Ihr werdet ihn öfter auf den Fotos sehen.

Samstag: Anreise

Der stressigste Tag sollte der erste sein. Eigentlich eine sehr enspannte Zugverbindung: mit dem RE nach Coburg, von dort mit dem ICE nach Berlin und in Spandau ein Hotel um von dort gleich am nächsten Tag die erste Etappe starten zu können. Das Hotel lag direkt am Radweg an der Havel. Es ging erst nach Mittag los, da dies die einzige Verbindung war, wo ich noch einen Stellplatz im ICE ergattern konnte.

Schon im DB Navigator erhielt ich schreckliche Nachrichten: Massive Verspätung des Zugteils aus Wien. Dann die Entscheidung, den Zug in Nürnberg enden zu lassen, der Teil aus München fährt alleine nach Berlin, natürlich ohne meinen Stellplatz. Im RIS stand: Keine Fahrradmitnahme. Was also tun? Ich entschied mich auf gut Glück doch in den RE nach Coburg zu steigen, notfalls halt irgendwo übernachten. Eine andere kurzfristige Alternative gab es nicht.

Bevor ich in den Zug steigen konnte aber die nächste Katastrophe: mein Radweg in Zirndorf nach Fürth wurde wegen Hochwasser gesperrt. Leider hatte ich nicht wahnsinnig viel Puffer, der Umweg ist etwas größer, ich dachte eigentlich dass es damit gelaufen ist. Trotzdem fuhr ich wie in Trance die erstbeste Umleitung die mir einfiel, bei kirschgrün über die Ampeln, und wie durch ein Wunder stand ich sogar drei Minuten vor Abfahrt am Bahnsteig samt meines Fahrrades. Geschafft.

Ein Bekannter auf Twitter hat mir derweil auch verraten, dass ich mich um die Mitnahme meines Fahrrades keine Sorgen machen soll, im internen System der Bahn wurde für den Zug eingetagen in welchen Wagen die Räder steigen sollen. Der ICE-T nimmt zum Glück nur drei mit, wodurch ein „Ersatzkonzept“ leichter zu realisieren ist.

Ersatzstellplatz für mein Fahrrad im ICE

Tja, und wie man am Foto sieht hat alles geklappt. In Halle kamen dann noch zwei weitere Räder dazu, den ich aus purem Selbstnutzen (damit mein Rad nicht zerkratzt wird), beim Einladen half. Das hat dann zu der kuriosen Situation geführt, dass mich die beiden Rentner für einen Mitarbeiter der Bahn hielten. Der Zug war sehr voll, da ja der anderen Zugteil ausfliel. Trotzdem waren wir am Ende pünktlich.

Hotel in Spandau

Das Hotel war dann schnell gefunden. Am Abend traf ich mich in Berlin noch mit @_laugengebaeck, und vor allem trafen sich unsere tierischen Begleiter:

@PinguPaul_ und @_bluepi

Die Reise kann man auch auf Twitter unter dem Hashtag #skanditux nachlesen.Hier ein paar Eindrücke aus Berlin:

Berliner Dom
Spree

Sonntag: Von Berlin zum Großen Wentowsee

Heute stand eine relativ lange Etappe an. Ich hatte den einzigen Campingplatz vorher reserviert, einfach weil die Campingplatzdichte nach Berlin klein ist und ich am Sonntag Abend mit einer höheren Auslastung gerechnet hatte wie an anderen Tagen. Los geht's bei wunderschönem Wetter in Berlin-Spandau entlang der Havel.

Havel in Spandau

Havelbrücke in Spandau

Der Radweg verläuft ein Stück an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze, also der Außengrenze von West-Berlin zu Brandenburg. In Nieder-Neuendorf ist ein kleines Museum in einem Turm untergebracht.

Ehemaliger Wachturm in Nieder-Neuendorf

In Henningsdorf fährt man an Bombardier vorbei, dort stehen viele Züge rum. Hier Talente für die ÖBB, die evtl. nicht abgenommen werden.

Bombardier

Die Havel wird mehrmals überquert.

Havelbrücke

Mittagspause in Oranienburg. Ich fahre einen kurzen Abstecher zum Schloss, die Perspektive des Fotos ist mir aber nicht sonderlich gut geglückt wie ich im Nachhinein feststellen muss.

Schloss Oranienburg

Die Radwege in Brandenburg sind bis jetzt hervorragend. Hier verläuft eine Fahrradstraße mitten durch einen Wald. Perfekt asphaltiert, sowas hab ich in Bayern noch nie gesehen. Kleines Highlight ist anschließend diese Zugbrücke.

Waldautobahn in Brandenburg
Zugbrücke

Langsam würde ich gerne das Ziel erreichen. Aber es sind noch einige Kilometer. Als nächstes fahre ich an einer alten Klosterruine vorbei, die ich mir kurz anschaue.

Kloster Zehendick

Ich fahre weiter durch ein Naturschutzgebiet – diese Eule wird mir noch oft begegnen – und dann durch den Ziegeleipark Mildenberg. Mir war bisher noch nicht bewusst dass in dieser Gegend so viele Ziegel produziert wurden. Gerne hätte ich das Museum angeschaut, aber es war schon zu spät.

Naturschutzgebiet
Ziegeleipark Mildenberg

Nach 95 km erreiche ich schließlich den Campingplatz am Großen Wentowsee. Ich kannte ihn aus dem Buch Camping-Glück, als „Alleinstellungsmerkmal“ werden dort keine Familien mit Kindern unter 14 aufgenommen damit es ruhig bleibt. Ich persönlich muss allerdings sagen dass mich Kinder auf Campingplätzen noch nie gestört haben, eher Autos, Motorräder und größere Gruppen.

Das Wetter hat sich langsam eingetrübt. Einkaufsmöglichkeiten gibt es hier keine, zum Glück hatte der Kiosk am Campingplatz noch Nudeln mit Pesto, so dass ich mir mit meinem Kocher ein schmackhaftes Mahl zubereiten konnte.

Abendessen

Ansonsten gefällt mir der Platz gut. Direkt am See, nicht zu voll, bei dem Sandboden gehen die Heringe rein wie Butter, es gibt „Sommerduschen“ (mit warmem Wasser) und es bleibt trocken. Die Betreiberin ist auch nett, der Kiosk/Rezeption ist in einem Bauwagen untergebracht. Bezahlung am nächsten Morgen (man schreibt die Sachen, die man aus dem Kiosk entnommen hat, einfach auf eine Karte). Trotzdem muss ich sagen, dass ich den Hype übertrieben finde, ich habe schon andere Plätze erlebt, die genauso gut sind und nicht in irgendwelchen Büchern erwähnt werden.

Kiosk/Rezeption des Campingplatzes
Auf der „ausgebuchten“ Zeltwiese wäre durchaus noch Platz für das eine oder andere Zelt

Montag: Vom Großer Wentowsee zum Gebenowsee

Am Ufer des Sees befindet sich eine Gänsefamilie, total süß. So macht das Frühstücken am Campinplatz Spaß. Das Wetter weiß nicht so recht was es will. Hat kurz geregnet beim Abbauen des Zelts, aber nichts wildes und es schaut auch nicht danach aus, dass es mehr wird. Also los!

Gänsefamilie am Ufer des Großen Wentowsees

Gegen Mittag wird's dann auch wieder sonniger. Ich fahre durch Wald, Feld und durch kleinere Dörfer. Hübsche Gegend, aber mehr oder weniger „belanglos“.

Wieder eine Waldautobahn
Himmelpfort – Weihnachten kann aber noch gerne etwas warten

Die erste und einzige Stadt heute ist Fürstenberg an der Havel. Die Stadt liegt eingebettet in eine Fluss- und Seenlandschaft. Direkt hinter dem Rathaus befindet sich eine Bootsanlegestelle mit Rastplatz. Es gibt dort auch einen Draisinenpark, der relativ gut beschildert ist, und weswegen ich dorthin einen kurzen Abstecher mache. Ist aber geschlossen, es gibt nichts zu sehen.

Stadtkirche Fürstenberg
Blick von der Bootsanlegestelle
Das etwas andere Parkhaus

Zum Schluss wird nochmal etwas hügeliger durch den Wald. Ich hab den Campingplatz am Gobenowsee angesteuert. Mit 64 km ist mein heutiger Abschnitt deutlich kürzer, nach den knapp 100 km am Tag davor war das aber auch nötig. Ich hatte zuerst Bedenken, ob die Plätze spontan noch was frei haben, aber bei diesem war es kein Problem. Ziemlich großer Platz, neben den ganzen Wohnmobilen gab es aber einen abgetrennten Zeltbereich wo vorwiegend Wasserwanderer waren, darunter auch eine Gruppe von Jugendlichen – wo ich erst befürchtet hatte dass das ziemlich laut wird, aber im Gegenteil, die waren total nett.

Blick auf den Gobenowsee – das Wasser war angenehm warm zum Schwimmen

Dienstag: Gobenowsee zum Leppinsee

Mittlerweile befinden wir uns im Gebiet der Mecklenburgischen Seenplatte. Hatte mir das immer flach vorgestellt, aber nein, es ist hügelig. Also nicht wie im Gebirge, aber eben auch nicht flach. Eigentlich auch logisch – wie sollten sich schließlich Seen in einer flachen Landschaft bilden? Das Wasser würde ja ablaufen.

Wettermäßig passt es wieder, der Himmel ist blau. Grundsätzlich war ich von den Radwegen und der Straßenqualität total positiv überrascht. Umso schlechter sind aber teilweise die Ortsdurchfahrten. Wer lockere Zahnfüllungen hat sollte zunächst den Zahnarzt seines Vertrauens aufsuchen bevor er hier fährt. Oder einfach schieben.

Userin – katastrophale Straßen

Etwas verwirrt war ich hier in Mecklenburg als ich einen anderen Netto Supermarkt gesehen habe. Teilweise auch direkt nebeneinander wie hier auf dem Foto. Hinten der bekannte Netto Marken-Discount, vorne der scherzhaft „Hunde-Netto“ genannte Netto. Der eine gehört zum Edeka-Konzern, der andere hat seine Wurzeln in Dänemark. Aber diese wirtschaftlichen Verflechtungen der ganzen Handelsketten sind ohnehin eine Sache für sich.

Zwei Nettos im Norden

In Wesenberg hab ich dann mal einen Blick zum Bahnhof gewagt und einen sehr schönen Triebwagen der Hanseatischen Eisenbahn erblickt. Gerne wäre ich eingestiegen.

Hanseatische Eisenbahn

Für die Mittagspause hab ich ein schönes Plätzchen gefunden:

Es kamen sowohl Enten als auch Boote vorbei

Nun war ich ziemlich hin- und hergerissen, ob ich den Abstecher nach Neustrelitz machen soll oder nicht. Hab mich dann letztendlich für den Umweg entschieden und es nicht bereut. Schönes kleines Städchen (20 000 Einwohner), interessanter Hafen und leckeres Eis.

Blick vom Schlosspark
Hafen
Marktplatz

Langsam mache ich mich auf die Suche nach einem Campingplatz. Aber erstmal Einfahrt in den Nationalpark. Echt eine schöne Landschaft. Wetter ist perfekt, nicht zu warm, nicht zu kalt, sonnig, ich bin positiv überrascht von Mecklenburg. Losgefahren bin ich irgendwie mit der Einstellung dass der Mecklenburger Teil was „zum warm werden“ ist und das eigentliche Ziel Dänemark ist, aber meine Meinung hat sich dann geändert.

Im Nationalpark Blankenförde

Der erste Campingplatz, an dem ich mehr oder weniger (kleiner Abstecher notwendig) vorbeikam, hieß „Zum Hexenwäldchen“. Hat mir überhaupt nicht gefallen, zu sandig irgendwie und total voll. Insofern bin ich weiter und am Leppinsee gelandet. Grad noch rechtzeitig bevor die Rezeption geschlossen hat, allerdings kamen dann nach mir noch Leute die am nächsten Tag gezahlt hatten. Übrigens der erste Platz wo ein Coronatest bzw. Impfnachweis gefordert wurde. Die große Zeltwiese war ganz schön voll, hab nette Leute dort getroffen.

Zeltwiese am Campingplatz am Leppinsee – das „WWW“ steht für „Wasser Wanderer Wiese“
Sonnenuntergang am Leppinsee

Mittwoch: Leppinsee nach Jabel

Am nächsten Morgen wurde ich während des Frühstücks von einem heftigen Regenschauer überrascht. Grad noch konnte ich ins Zelt flüchten und musste die Zeltplane etwas hochheben damit das Wasser nicht reinläuft. Es war aber genauso schnell vorbei wie es kam und blieb dann auch im Laufe des weiteren Tages trocken. Trotzdem war die Luft erstmal unangenehm schwül.

Zeltwiese nach dem Regen

Der Radweg verläuft weiter durch kleine Dörfer. Meistens gibt's am Tag nur eine Stadt mit Supermärkten, so dass ich da dann gleich die Gelegenheit nutze, und für das Abendessen einkaufe. Manchmal haben die Campingplätze zwar Shops, aber man weiß auch nicht was man bekommt und ob es einen gibt. Diese Gaskartuschen würde ich übrigens fast überall bekommen, allerdings reicht mein Vorrat. Der Kocher ist erstaunlich sparsam.

An diesem Tag ist mir allerdings ein Missgeschick passiert: durch den Regen wurde mein Smartphone nass. Ich wollte es laden, daraufhin kam dann die bekannte Warnung bei Apple-Geräten, dass der Lightning-Stecker feucht sei und das Laden deshalb nicht möglich. Allerdings ging das Laden auch nicht mehr als es trocken wurde. Zum Glück hat sich hinterher herausgestellt (am Nachmittag konnte ich in einem Rossmann ein neues Ladekabel kaufen), dass weder die Powerbanks noch das iPhone kaputt waren sondern lediglich das Kabel. Diese Kabel haben ja eine aktive Komponente, daher kann es gut sein, dass diese durch die Feuchtigkeit kaputtging. Trotzdem ärgerlich.

Kirche in Kratzeburg
Ruine am Wegrand
Häuser mit Reetdächern

Auch heute liegt wieder eine Stadt an meiner Route: Waren an der Müritz. Diese Stadt versprüht ein Hauch von Ostsee obwohl sie noch ganz schön weit vom Meer entfernt ist. Möwen gehören genauso dazu wie leckere Fischbrötchen.

Eine Möwe an der Müritz
Mein tierischer Reisebegleiter freut sich über ein leckeres Fischbrötchen
Blick auf die Innenstadt von Waren

Der Campingplatz vor Waren war mir dann zu früh, ich fahre den Weg weiter und lande schließlich am Jabelschen See. Netter Platz dort, etwas windig und damit kühl und keine Einkaufsmöglichkeiten. Das wird mir am nächsten Tag dann noch etwas zum Verhängnis, für heute habe ich genug dabei.

Das ist auch der erste Campingplatz an den Mecklenburgischen Seen wo keine Wasserwanderer unterwegs sind. Vermutlich ist dieser See nicht mit anderen verbunden. Ich muss zugeben, dass mir das bislang gar nicht so bewusst war, dass eben die meisten Seen in Mecklenburg irgendwie über Flüsse und Kanäle verbunden sind. Das ist auch recht gut „ausgeschildert“, inkl. Anlegestellen und Zeltplätze. Als Radfahrer habe ich ganz gut von dieser Infrastruktur profitiert. Mag Campingplätze, die total von Wohnmobilen dominiert sind, nämlich nicht so gerne.

Mein Zelt mit dem oben schon erwähnten, sehr bequemen Campingstuhl
Jabelscher See – weiter vorne gibt es aber auch einen Badestrand
Hier ist die Zeit stehen geblieben: Statt 1-DM-Münzen gibt es natürlich Duschmarken zum Preis von 1 €, Inflation lässt grüßen

Donnerstag: Von Jabel nach Schwaan

Das Wetter passt heute wieder, eigentlich hat es ja die ganze Zeit gepasst. Am Fahrrad noch kein einziges Mal nass geworden. Im Gegensatz zur Schweiz wo es morgends immer gut abgekühlt hat, konnte ich das Zelt fast immer trocken einpacken weil wenig Kondenswasser vorhanden ist.

Eigentlich hätte ich gerne gefrühstückt, leider blieb es erstmal bei einem Kaffee und einem Müsliriegel für Notfälle. Der nächste Supermarkt oder die nächste Bäckerei wären in Waren (also 10 km zurück), ansonsten gäbe es hier am Platz nur Brötchen gegen Vorbestellung. Immerhin hab ich's geschafft einem Hotel, das groß „Brötchenverkauf“ außen stehen hat, den restlichen Bestand von drei Brötchen abzukaufen, erst wollten sie nicht. Nun gut, Problem gelöst. Ich glaub in meiner Richtung hat es 20 km bis zur nächsten Einkaufsmöglichkeit gedauert.

So macht Radfahren Spaß
Muh ... oder so ähnlich
Schäferbuche bei Dobbin, leider krank, 300 Jahre alt
Backsteinkirche bei Serrahn am Serrahner See

Der erste größere Ort ist Krakow am See (4000 Einwohner). Immerhin gibt es dort eine Eisdiele, Einkaufsmöglichkeiten, Rathaus, Schule und Bahnhof.

Enten am Krakower See bei Krakow
Kirche in Krakow
Rathaus in Krakow am See

Die erste größere Stadt heute ist aber Güstrow, immerhin 40 000 Einwohner. Das Schloss ist leider eingerüstet. Nettes Städtchen mit einer hübschen Innenstadt. Muss aber weiter weil ich noch einiges vor habe heute.

Schloss Güstrow
Innenstadt Güstrow

Der Radweg läuft jetzt entlang eines Kanals. Ging es in den letzten Tagen eher so im Zickzackkurs (wenn man die Karte betrachtet) an den Seen entlang, so fahre ich ab jetzt relativ direkt in den Norden nach Rostock. Wird langsam auch Zeit, dass ich Dänemark erreiche.

Brücke am Bützow-Güstrow-Kanal

Angekommen in Bützow, es ist schon halb sechs. Zeit zum Aufsuchen des Campingplatzes, was ich auch getan habe, aber irgendwie hat er mir nicht gefallen. Da ich noch gut in Form war, das Wetter perfekt und ich dann einen Tag sparen würde, habe ich mich entschieden, zum nächsten zu fahren. Aber erstmal kurz einkaufen und kurz durch die Stadt fahren.

Bützow

Um 19 Uhr war ich dann da am Campingplatz Schwaan. Heute 110 km gefahren, die längste Etappe auf der Tour. War aber ziemlich flach, perfektes Wetter, kein Wind, also ideale Bedingungen. Es gibt Tage da „läuft“ es einfach. Netter Platz mit zwei großen Zeltwiesen, eine direkt am Wasser (auch hier sind Wasserwanderer die anlanden) und eine unter Bäumen. Ich entscheide mich für die am Wasser.

Der Campingplatz ist direkt an der Warnow

Freitag: Nach Dänemark

Heute steht die letzte Etappe in Deutschland an. Es ist nicht mehr weit bis Rostock, dort wollte ich noch ein paar Sachen erledigen (dazu später) und die Fähre um 15:30 Uhr nehmen. Auf dänischer Seite sind direkt nach der Grenze mehrere Campingplätze und andere Übernachtungsmöglichkeiten, so dass es gut klappen sollte. Bei Rostock gibt's ohnehin keine Campingplätze, insofern hat das super gepasst dass ich noch bis Schwaan gefahren bin. Auch heute ist mir das Wetter wohlgesonnen.

Überhaupt, wettertechnisch war es eine gute Wahl in den Norden zu fahren. Während im Westen das Hochwasser getobt hat und im Süden ein Regengebiet nach dem anderen durchgezogen ist war es hier weitgehend trocken. Und angenehm warm und nicht so schwül. Aber erstmal durch den kleinen Ort Schwaan, der Zeltplatz war ja ein paar Kilometer davor.

Kirche in Schwaan
Nur noch 297 km, ja dann

In Rostock war ich schonmal, insofern kannte ich mich einigermaßen aus. Bin kurz vor Mittag eingetroffen, hab erstmal meine Sachen in ein Schließfach am Bahnhof verschlossen, ich wollte noch was einkaufen, und zwar ordentliche Badelatschen, in einem Outdoor-Laden noch eine Gaskartusche und dann noch in einer Packstation ein Paket abholen. Mein Campingstuhl hatte nämlich einen Haken: er sank ständig ein. Als Zubehör gibt es vom Hersteller noch so eine Art „Bodenplane“, die ich damals aber nicht mitbestellt habe. Am Mittwoch kam mir dann die Idee dass ich mir einfach das Teil an eine Packstation in Rostock liefern lasse. Das hat dann auch gut geklappt aber es war zeitlich insofern knapp als dass ich bei der Bestellung dachte, dass ich erst am Samstag in Rostock bin und das Paket erst im Laufe des Vormittags zugestellt wurde.

Rostock Kröpelinger Tor
Universität Rostock

Die Fahrt zum Seehafen hat sich dann aber noch gezogen – es wurde auch ziemlich windig. Die Straßen waren auf diesem Abschnitt eher schlecht aber es war gut ausgeschildert. Der Hafen ist riesig und natürlich überhaupt nicht auf Fahrräder sondern auf Pkws und vor allem Lkws ausgelegt. Dadurch dass die Fähre aber ein Teil des Berlin-Kopenhangen-Radwegs ist, ist das Ganze gut ausgeschildert. Man fährt auch direkt am Schalter der Rederei Scandlines vorbei, das Ticket kostet knapp 30 €.

Sobald man das Ticket hat, fährt man weiter die Beschilderung, auf dem Ticket steht dann die Nummer der Spur bzw. Schranke. Da es meine erste Fährfahrt war (also mit einer „richtigen“ Fähre, nicht über einen Fluss oder Binnensee) war ich etwas nervös. Im Prinzip verhält man sich als Fahrrad wie als Auto, man steht also dann am Ende auch so ca. 15-30 Minuten rum bis die Fähre anlegt.

Warten auf die Fähre mit anderen Leuten
Ein Fahrrad auf der Fähre
Ausfahrt aus Rostock Seehafen

Die Fahrt hat um 15:45 Uhr begonnen, um 17:30 Uhr waren wir dann in Gedser. Fand es echt sehr entspannt und angenehm. Während der Rostocker Fährhafen riesig ist, ist der Hafen in Gedser viel kleiner, schaut nach einem reinen Fährhafen für Autos und Personen aus und weniger nach Güterverladung.

Gedser auf der Insel Falster

Leider zieht sich der Weg dann doch noch etwas. Der angepeilte Campingplatz liegt auf der Insel im Osten während die Bundesstraße im Westen ist. Der Weg, den ich herausgesucht hatte, geht über sandige Feldwege. Und ich habe leichte Panik dass der Campingplatz dann schon geschlossen ist oder ausgebucht ist – aber immerhin gäbe es hier noch ein paar alternative Übernachtungsmöglichkeiten.

Windräder, Feld und Sonne
Sandiger Feldweg

Meine Befürchtungen sollten sich allerdings in Luft auflösen. Angekommen in ​Østersøparken Camping in einem Feriendorf südlich von Marielyst bin ich schließlich um kurz vor 19 Uhr. In der Rezeption sprach man – wie in Dänemark üblich – perfekt englisch. Erstmal war ich über die fehlenden Masken irritiert, dazu dann aber im Verlauf der Reise noch mehr. Es gab zwei Zeltwiesen, eine für Leute mit Auto und eine ohne. Und das beste, die Zeltwiese war ganz hinten mit Zugang zum Strand. Vom Zelt zum Strand waren es nur wenige Schritte, dennoch waren die Zelte windgeschützt hinter Bäumen. Viel besser geht's eigentlich nicht und mit knapp 16 € hat auch der Preis gepasst, immerhin sind wir im teuren Dänemark.

Zelt in Østersøparken Camping
Sonnenuntergang am Strand

Samstag: Ruhetag

Nachdem ich nun also heil in Dänemark angekommen bin war es höchste Zeit, mir mal ernsthaft Gedanken um meine Rückreise zu machen. Zur Auswahl standen mehrere Varianten, die ich zu Hause schon recherchiert hatte:

  • Rückfahrt mit dem Zug von Kopenhagen: Es gibt eine Verbindung, die man in einem Tag schafft. Haken: es wird knapp mit den Umstiegen und man muss im EuroCity einen von vier Fahrradplätzen ergattern. Dazu kann man das Ganze nur an einem Schalter buchen. Das hätte ich wohl Wochen vorher tun müssen, daher fiel das aus.
  • Mit Flixbus von Kopenhangen. Flixbus nimmt die Fähre, trotzdem wollte ich mir das eigentlich nicht antun so lange im Bus zu sitzen. Vorteil gegenüber der Bahn: Onlinebuchung kein Problem und natürlich mehr Fahrradplätze pro Sitzplatz.
  • Die Nachtfähre von Trelleborg nach Rostock und mit dem Zug von Rostock nach Nürnberg.
  • Die Tagfähre von Trelleborg nach Rostock, eine Übernachtung in Rostock und dann mit dem Zug nach Nürnberg.
  • Die Nachtfähre von Trelleborg nach Travemünde und dann mit dem Zug nach Nürnberg. Gegenüber der Variante über Rostock hat diese Fähre vor allem den Vorteil dass sie länger braucht, daher später ankommt und man ausschlafen kann. Bei Rostock muss man schon um 6 Uhr von der Fähre.

Schön und gut, ich hab gefühlt vor und nach dem Frühstück eine Ewigkeit im DB Navigator gesucht und keine Verbindung gefunden, die noch freie Plätze für Fahrräder hat. Wirklich keine, und ich kenne durchaus einige Züge (bspw. auch den IC Königsee/Nebelhorn von Hamburg nach Ansbach, der deutlich mehr Kapazitäten hat wie die ICEs von Berlin aus). Leider halt Wochenende, Sommerferien und Corona. Ziemlich frustriert, ich war eh schon spät dran und irgendwie auch müde von den letzten Tagen. Dazu superschönes Wetter, mir kam dann spontan der Gedanke: ich bleib hier einen Tag. Zur Rezeption gegangen, glücklicherweise noch frei, bezahlt und meine Laune hat sich spontan deutlich verbessert.

Erstmal also zum Einkaufen in den Ort gefahren, Wäsche gewaschen, Touren auf Komoot sortiert. Dann bin ich ins Gespräch mit einer jungen Dame gekommen die ich schon auf dem Campingplatz einen Tag zuvor gesehen hatte. Nachmittag an den Strand, etwas gelesen, geschwommen und am Abend dann nach Marielyst zum Essen. Heute gab's mal keine Nahrung aus dem Campingkocher sondern eine Pizza. War echt eine super Idee, einen Tag Pause gemacht zu haben zumal am nächsten Tag das Wetter dann etwas schlechter geworden ist.

Meinem tierischen Begleiter hat's auch gefallen

Achso, und die Rückfahrt: in aller Verzweiflung hatte ich den Flixbus von Berlin nach Nürnberg gebucht und als Zubringer den IC von Rostock nach Berlin. Besser als eine Umsteigeorgie im Nahverkehr. Ob ich tags oder nachts die Fähre nehme, entscheide ich später noch. Die Abfahrtszeit (gegen 8 Uhr) gibt beides her.

An dieser Stelle muss ich dann doch mal auf das Thema „Corona“ kommen. Hier wurde bis auf den ÖPNV beim Ein-/Aussteigen (also nicht am Sitzplatz) die Maskenpflicht aufgehoben. Als vorbildlicher Deutscher bin ich am Anfang in den Supermarkt noch mit Maske gegangen, irgendwann hab ich's dann gelassen. Ich dachte erst, dass man sich so dran gewöhnt hat, dass es einem fehlt, aber nein. Ja, ich fand es ungewohnt, aber ich fand es sehr angenehm. Auch dass man nicht erst die Maske suchen muss (im Gegensatz zu Geldbeutel und Handy weiß ich nie so richtig wohin damit) und nicht ständig die Brillengläser beschlagen. Kontaktdatenerfassung gibt's auch keine, 3G-Nachweis nur in Innenräumen aber bspw. nicht auf dem Campingplatz. Sehr entspannt alles.

Sonntag: Von Insel zu Insel

An dieser Stelle erstmal eine kleine Exkursion in die dänische Geographie. Während der Weg von Berlin nach Rostock dem geneigten Leser zumindest ungefähr klar sein dürfte (die genaue Karte gibt's wie immer am Ende), hat man Dänemark normalerweise ja nicht so im Kopf. Daher hier mal eine Karte mit den wichtigsten dänischen Inseln:

Inseln Dänemarks

Die Fähre kam in Gedser an, das liegt an der Südspitze der Insel Falster. Etwas weiter östlich hatte ich die ersten zwei Tage in Dänemark verbracht. Heute geht's zunächst quer durch Falster, dann über eine Fähre über Bogø nach Møn. Zwischen Bogø und Møn existiert eine Brücke bzw. ein Damm.

Leider ist es heute etwas trüber und sehr windig. Es herrscht Westwind, im Groben fahre ich von Süden nach Norden, daher weitgehend Seitenwind. Nervt aber trotzdem tierisch. Es fühlt sich auch komisch an, bei uns im Süden hat man so starken Wind abgesehen von Herbststürmen eigentlich nur wenn Regen naht. Aber nicht den ganzen Tag. Aber gut, daran werde ich mich jetzt gewöhnen müssen.

Reetdächer auch in Dänemark
Sehr idyllisch hier

Ich komme an einem sog. Shelterplatz vorbei, der mich brennend interessiert. Neben den normalen Campingplätzen gibt es hier in Dänemark (abhängig von der Insel) sehr viele Naturlagerplätze. Es hängt im Detail ab, was man dort genau darf. Entweder ist die Übernachtung kostenlos oder kostet wenige Euro, meistens gibt es eine Naturtoilette, oft einen Abfalleimer, eine Feuerstelle, eine Bank und häufig auch einen offenen Holzverschlag wenn man kein Zelt dabei hat. Was es nicht gibt: Sanitäranlagen und Frischwasser. Man muss sein Wasser also mitbringen, einen Wasserfilter benutzen oder einfach das Wasser so benutzen. Bei Salzwasser geht das aber ja nicht so einfach. Eine Beschreibung findet man unter Übernachten in der Natur (auf Deutsch), von dort kann man sich durchklicken.

Shelterplatz
Ostsee

Die erste Stadt ist Nykøbing Falster, die Hauptstadt der Insel. Hier war ich schonmal, und zwar auf meiner Abschiedsfahrt auf der Vogelfluglinie vor zwei Jahren. Konnte mich dunkel an die Innenstadt und den Bahnhof erinnern, war aber damals sehr verregnet. Heute ist es glücklicherweise trocken.

Kirche in Nykøbing Falster
Turm

Der Bahnhof ist leider mehr oder weniger leer, aktuell fahren keine Züge, da der Fährbetrieb eingestellt ist und der Fehmarnbelttunnel gebaut wird. Von Nykøbing geht's erstmal gen Osten und dann entlang der Küste nach Norden. Dort führt der Weg größtenteils durch den Wald, was ich wegen des Windes sehr angenehm finde.

Wolltiere

Angekommen in Stubbekøbing, einer kleinen Hafenstadt. Von dort gibt es eine Fähre nach Bogø. Diese Fähre verkehrt allerdings nur im Sommer. Im Winter muss man auch mit dem Fahrrad den Umweg über die Brücke nehmen. Nachdem die Fähre erst in knapp einer Stunde fährt bleibt etwas Zeit zum Einkaufen. In Dänemark haben nämlich normale Supermärkte auch sonntags offen, was auf einer solchen Tour sehr angenehm ist.

Innenstadt von Stubbekøbing
Apotheke in einem alten Gebäude Stubbekøbing
Ticketverkauf für die Fähre
Fährfahrt

Die Fähre ist eher überschaubar, die Fahrt dauert auch nicht lange. Von Bogø fahre ich entlang der Straße auf die nächste Insel, Møn. Dort suche ich gleich den ersten Campingplatz, es ist schließlich schon 17 Uhr.

Hier sieht man den Wind sogar

Auf dem Campingplatz stand ein großes Schild, dass alles ausgebucht sei. Glücklicherweise galt dies nicht für Zelte, und die Betreiber mögen anscheinend Fahrradfahrer, deshalb gibt's einen Superspezialpreis. Beim Schreiben des Blogs von 30 Kronen, das sind 4 Euro. Ich würde da von einem Selbstkostenpreis für die Benutzung der Sanitäranlagen sprechen.

Mein Zelt steht (diese Hütte ist leer und ohne Boden, keine Ahnung wofür die gedacht ist)
Der Strand ist zum Glück auch nicht weit, der Wind hat sich am Abend etwas beruhigt

Montag: Møn

Diesen Tag verbringe ich auf der Insel. Der Radweg verläuft quasi um die Insel herum, allerdings nicht als Selbstzweck sondern um die Kreidefelsen Møns Klint zu sehen. Im Gegensatz zu Falster ist Møn ziemlich wellig (höchste Erhöhung 143 m). Wenig Verkehr, und das Fahrradfahren ist hier sowieso sehr angenehm, die Autofahrer sind rücksichtsvoller und es herrscht eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 km/h auf Landstraßen.

Hügelige Landschaft auf Møn

An diesem Rastplatz fühle ich mich irgendwie ziemlich müde und mache tatsächlich auf der Bank ein kleines Powernapping. Hat Wunder bewirkt, ich fühle mich danach fit wie ein Turnschuh.

Rastplatz

Møns Klint ist eine ziemlich touristische Angelegenheit. Halb Dänemark ist gefühlt dort, es gibt ein Besucherzentrum (mit Museum, Shop, und Kantine mit leckerem Essen). Runter zur Küste gibt es eine Holztreppe und mehrere Rundwege. Schon ganz nett aber so wahnsinnig toll dass ich deswegen von halb Dänemark hierher fahren würde um Schlagen zu stehen finde ich's ehrlich gesagt auch nicht. Wenn man aber hier ist sollte man das schon mitnehmen!

Kreidefelsen von Møn (Møns Klint)
Blick von oben auf den Kreidefelsen
Ein Teil der Wanderung geht auch durch den Wald

Hier im Westen der Insel gibt's auch einen Campingplatz, der passt aber nicht so gut in meine Planung, schließlich ist es erst 15 Uhr, also wieder zurück nach Osten durch ein paar Dörfer. Die Kirchtürme haben hier alle so „Treppen“ am Giebel, ich kennen den Fachausdruck leider nicht.

Kirche auf Møn
Stege

Durch Stege fahre ich noch, mein Ziel ist der Campingplatz kurz vor der Brücke, Camping Mønbroen. Es gibt dort neben vielen Wohnmobilstellplätzen eine Zeltwiese und – an einer „Zunge“ – Plätze die jeweils von einer Hecke vom anderen abgetrennt werden. Mir wurde empfohlen, diese zu nehmen weil weniger Mücken. Ansonsten wieder mal eine gute Wahl. In der Rezeption sprach man sogar deutsch. Highlight ist aber hier der Blick auf die im Jahre 1943 gebaute Dronning Alexandrines Bro (Königin-Alexandrine-Brücke).

Die große Zeltwiese
Blick auf die Dronning Alexandrines Bro vom Zelt aus

Blöderweise ist mir mein Fahrrad komisch umgefallen, dachte erst es sei wirklich was kaputt, aber es war nur die Aufhängung für das vordere Schutzblech etwas verbogen. Immerhin hat das im Nachgang dann mal dazu geführt, mir einen vernünftigen Hinterradständer zuzulegen statt diesem Ständer in der Mitte – keine Ahnung was sich der Hersteller dabei gedacht hatte. Der nächste Fahrradladen wäre übrigens nach der Brücke gewesen, insofern hätte ich da sogar schieben können wenn wirklich was gewesen wäre.

Dienstag: Seeland

Tja, die Zeit vergeht schneller als man denkt. Weit ist es nicht mehr bis Kopenhagen. Ich mache mir langsam ernsthaft Gedanken um die Rückfahrt. Aber zuerst muss ich sehen, wie weit ich heute komme und wo ich übernachte. Es gibt keinen passenden Campingplatz auf halber Strecke nach Kopenhagen, insofern peile ich die Übernachtung auf einem Shelterplatz an, also – wie vorhin erwähnt – legales Wildcampen.

Die Dronning Alexandrines Bro

Der erste Ort heute heißt Præstø, eine kleine Hafengemeinde mit knapp 4000 Einwohnern. Wetter passt soweit, zwar wieder etwas windig aber damit muss man sich dort oben offenbar abfinden.

Innenstadt von Præstø
Hafen von Præstø
Umgebauter Mini

Ich fahre weiter und komme an einer Baustelle für die Baltic Pipeline vorbei. Im Urlaub interessieren mich teilweise die Nebensächlichkeiten. Ich bin ja überhaupt nicht sprachbegabt, aber was mich durchaus interessiert sind die Zusammenhänge zwischen Sprachen. Dänisch ist – neben Deutsch, Englisch, Niederländisch, Norwegisch und Schwedisch – eine germanische Sprache. Und so erkennt man viele Wörter aus dem Deutschen oder englischen wieder. Als Sonderzeichen gibt es hier Æ/æ, Ø/ø und Å/å. Mir fiel dieses Schild auf, auf dem „Æg“, also „Ei“ (englisch „egg“) stand. Speziell in dieser Schriftart schaut das aber irgendwie aus wie „AEG“, ohne die Bildchen hätte ich da also eher Trockner und Waschmaschinen erwartet als Eier.

Æg heißt Ei

In Gedser gab es ja noch eine stillgelegte Bahnstrecke und in Nykøbing Falster eine reguläre, die grad ohne Verkehr ist wegen Bauarbeiten. Und so war ich die letzten Tage ohne echten Bahnanschluss unterwegs, Zug habe ich in Dänemark also noch gar keinen gesehen. Insofern bin ich sehr erfreut, dass in Rødvig endlich wieder Züge fahren. Ich begebe mich an den Bahnhof und werde auch fündig.

Dieseltriebwagen in Rødvig

Nun aber hurtig weiter, ich will noch etwas Stevns Klint angucken. Stevns Klint ist eine Steilküste im Südosten der dänischen Ostseeinsel Seeland. Das Kliff hat eine Länge von etwa 15 Kilometern und erhebt sich bis zu 41 Meter über den Meeresspiegel, und markiert die südliche Begrenzung des Öresund auf dänischer Seite. Im Jahr 2014 verlieh die UNESCO dem Kliff den Status eines Weltnaturerbes. (Zitat Wikipedia).

Interessant ist aber nicht nur die Natur (eine gewisse Ähnlichkeit zur Küste von Møn besteht) sondern auch die Geschichte. Eigentlich fast schade dass ich nicht einen Tag geblieben bin und mir die Museen angeguckt habe, aber man kann halt auch nicht alles haben. Die Rede ist von Stevnsfort, einer größtenteils unterirdischen Festung aus dem Kalten Krieg. Auf Die Festung von Stevns - Das Museum über den Kalten Krieg gibt es nähere Details dazu. Rein geographisch lag dieser Teil Dänemarks innerhalb der Nato äußerst günstig (Schweden ist nicht Teil der Nato). Die Festung sollte den südlichen Eingang zum Öresund kontrollieren. Zusammen mit dem Langelands Fort am Langelandsbelt sollte es verhindern, dass Schiffe des Warschauer Pakts aus der Ostsee in Richtung Nordsee oder Atlantik passierten.

Fast noch spannender finde ich allerdings diese alte Kirche. Sie wurde gebaut von einem Schiffer in Seenot, er gelobte das er die Kapelle errichten würde, wenn er erlöst würde. Die Kirche liegt auf dem 30 m hohen Steilufer. Sie wurde 1357 eingeweiht; das Meer hat das Steilufer untergegraben und 1928 stürzte der Chor ins Wasser ein. Der Rest der Kirche wurde untermauert. Der Sage nach soll sich die Kirche einen Hahnenschritt in jeder Weihnachtsnacht weiter ins Landinnere hineinschieben. Der letzte Gottesdienst wurde im Jahre 1910 gehalten.

Højerup Alte Kirche
Leuchtturm von Stevns

Etwas weiter war dann der Lagerplatz. Eingezeichnet auf der Karte war das Ganze direkt neben dem Toilettenhäuschen, wo es immerhin frisches, kaltes Wasser gibt. Daneben auch ein Shelter, den man benutzen kann und eine Feuerstelle. Was mir nicht gleich bewusst war: auf dem ganzen Areal ist Zelten erlaubt, und so war ich dann doch nicht alleine sondern fand noch vier andere Zelte. Irgendwie beruhigend dass noch andere Menschen da sind. Irgendwie fand ich es tatsächlich komisch, hier zu zelten, aber mit der Zeit ging es dann. Es wurde etwas kühl und vor allem windig.

Noch ein kleiner Rundgang. Auch dieser Teil wurde militärisch genug und zwar als Abhöranlage. Heute wird einer der Türme als Vogelbeobachtungsplattform genutzt. Man sieht sogar von hier die Öresundbrücke.

Ehemalige Abhöranlage
Aussichtsplattform
Die anderen Zelte
Steilküste

Nun wollte ich endlich mal die Rückfahrt buchen, also den zweiten Teil, nämlich die Fähre. Leider war die Nachtfähre nach Rostock schon ausgebucht und es gab tatsächlich praktisch keine Unterkunft in Rostock mehr. Das hat mir dann tatsächlich dan Abend verdorben, auf booking.com lediglich was über 150 €. Ich hatte dann in aller Verzweiflung ein Hotel Greifennest direkt angeschrieben (über Bed & Bike gefunden), aber eigentlich nicht mit einer Zusage gerechnet. Parallel hatte ich dann noch im prizeotel ein Zimmer für 140 € reserviert um wenigstens irgendwas zu haben. Corona ist wirklich ein Fluch, alle machen an der Küste oder in den Bergen Urlaub. Ich bin froh wenn die „normalen“ Leute wieder nach Mallorca und in die Türkei fliegen, dann ist es hier wieder entspannter.

Mittwoch: Nach Kopenhangen

Fast am Ziel angekommen zu sein ist ein gutes Gefühl. Der weitere Plan: Donnerstag entspannt Kopenhagen angucken und Freitag ist im Prinzip schon Teil der Rückreise (nach Malmö und dann die Fähre). Samstag steht dann die Zugfahrt von Rostock nach Hause an und Sonntag ist dann mein „Karenztag“.

In meiner Mailbox befindet sich als positive Überraschung eine Bestätigung des Hotel Greifennest für 90 €, damit kann ich die teure Übernachtung stornieren. Immerhin, zwar kein Schnäppchen aber in Ordnung. Auch ansonsten beginnt der Tag wunderbar ruhig, ich höre Vögel zwitschern, die ich von zu Hause nicht kenne. Naturzelten gefällt mir, auch wenn ich durchaus eine warme Dusche vertragen könnte.

Ansonsten ist es trüb und trocken aber kalt und windig. Im Laufe des Tages wird es aber besser. Gegen Mittag komme ich im am Schloss Vallø vorbei.

Schloss Vallø
Brücke am Schloss Vallø

Die erste Stadt ist Køge, erstmal am Bahnhof die charakteristischen Kopenhagener S-Bahnen angucken. Auch die Innenstadt gefällt mir auf Anhieb. Es ist mittlerweile auch recht sonnig geworden.

S-Bahn Kopenhagen
Innenstadt Køge

Nicht mehr weit bis Kopenhagen, zumindest bis zum Campingplatz, den ich reserviert hatte. Wäre gerne bis Charlottenlund Fort Camping gefahren, aber der hatte ausgebucht. Daher habe ich mich für Danhosel Ishøj Strand entschieden, eine Jugendherberge mit Campingplatz. War nicht eine ganz so glückliche Wahl, würde eher das nahegelegene Tangloppen Camping empfehlen, einfach weil es besser gelegen ist. Das Danhosel ist irgendwie so dazwischen, nicht am Strand aber auch nicht direkt bei der S-Bahn-Station. Vorteil ist dass man auch die Einrichtungen der Jugendherberge nutzen kann, wenn's regnet dann ein Vorteil.

Eine dänische „Gumminase“
Wieder mal eine Kirche mit „Treppen“ am Turm
Strand
Der Platz – Zelte leider neben der „Straße“

Donnerstag: Kopenhagen

Heute steht Kopenhagen auf dem Programm. Aber obwohl ich „fast“ da bin sind es dann doch noch knapp 30 km. Das Wetter passt aber und der Weg ist sehr schön quasi entlang der Küste bzw. etwas hinterhalb. Ich war vor einigen Jahren schonmal in Kopenhagen, insofern kenne ich die bekannten Sehenswürdigkeiten. Denke ich zumindest.

Vallensbæk Strand

Mit dem Fahrrad fährt man dann doch einen anderen Weg „rein“ in die Stadt als man so kennt. Von dem her war ich dann schonmal etwas überrascht dass mir restmal gar nichts bekannt vorkam.

Diese Brücke ist nur für Radfahrer und Fußgänger
Tivoli (Vergnügungspark)
Kopenhagener Rathaus
Bahnhof erkunden
Kanal in Kopenhagen

Kopenhagen hat viele Kanäle, was bietet sich da an einem schönen, warmen Sommertag mehr an wie eine Kanalrundfahrt zu machen? Das habe ich dann auch getan. Leider kann man vom Boot aus schlecht fotografieren, daher gibt's an dieser Stelle weniger Bilder. Hat sich aber gelohnt, man kommt in Ecken, die man sonst bei einem Stadtrundgang zu Fuß nicht sieht.

Verteidigungsanlagen

Am Abend treffe ich mich noch mit @gamma_37 bei einem dänischen Hot Dog. Im Übrigen ist Corona hier definitiv vorbei. Man merkt nichts mehr davon außer ein paar Masken beim Einsteigen in die S-Bahn oder am Bahnhof. Ohne Impfung würde ich mich unwohl fühlen – auch angesichts der hohen Inzidenzen und der Tatsache, dass die Hauptstadtregion kurz vor meiner Reise zum RKI-Risikogebiet erklärt wurde. So allerdings empfinde ich es sehr angenehm, in Bayern müsste ich noch ständig eine FFP2-Maske mit mir rumschleppe und aufsetzen.

Zurück bin ich dann mit der S-Bahn gefahren. Die haben hier sehr viele Stellplätze für Räder und die Fahrradmitnahme ist sogar kostenlos. Was allerdings dazu geführt hat, dass sich die am Automaten nicht buchen lassen wenn man ein Fahrrad auswählt. Ich musste erstmal einen Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe um Rat bitten.

Das Radfahren in Kopenhagen fand ich jetzt gar nicht so phänomenal wie immer angepriesen. Klar, die Radwegführung ist ganz gut, was mich aber wirklich genervt hat war das Fehlen vernünftiger Fahrradständer wo man den Rahmen gut anschließen kann. Es gab eigentlich nur die Vorderradständer, ansonsten war man auf Laternen angewiesen. Da ist Nürnberg definitiv besser aufgestellt mit vielen Bügeln. Dass in Kopenhagen keine Räder gestohlen werden, kann ich mir nicht vorstellen.

Nach Schweden

Nach dem sommerlichen Tag gestern wird's heute wieder etwas kühler, aber wieder trocken. Bis auf das kurze Intermezzo am Campingplatz in Mecklenburg war es tatsächlich die ganzen zwei Wochen trocken, wenn auch der Wind manchmal genervt hat. Da hatte ich großes Glück, vor allem angesichts der Tatsache dass der Sommer bisher sehr mau war und es sehr viel geregnet hat, zumindest in Franken.

Heute steht die Rückreise an, aber dafür muss ich erstmal nach Schweden, da ich mich eben für die Fähre aus Trelleborg entschieden hatte. Also erstmal mit der S-Bahn nach Kopenhagen, mit dem Öresundståg nach Malmö und dann, je nachdem wie es zeitlich aussieht, entweder mit dem Zug oder mit dem Fahrrad weiter nach Trelleborg. Ich wäre natürlich gerne über den Öresund geradelt, aber das geht leider nicht, also es ist zumindest nicht erlaubt.

So schauen die S-Bahnen innen aus
Die Tickets für mich (voksen = Erwachsener) und mein Rad (cykel), die man übrigens zumindest über die DSB nicht online bekommt sondern nur am Automaten

Auf der Fahrt kann man wenig fotografieren, die Züge sind innen aber sehr bequem (definitiv Fernverkehrs-Standard) und auch genügend Stellplätze für Räder sind vorhanden. Angekommen in Malmö im Tiefbahnhof, leider habe ich kein besseres Foto vom Zug.

Erinnerungen an meine erste Interrail-Reise werden wach als ich diese Abfahrtstafel sehe. Bin damals den Nachtzug von Snälltåget Berlin – Malmö gefahren als er noch über die Fähre fuhr.

Malmö Central
In so einen X2000 nach Stockholm wäre ich gerne eingestiegen

Erstmal kaufe ich mir am Bahnhof innen eine hervorragend schmeckende Zimtschnecke. Die gibt's eben doch nur in Schweden. Ich entscheide mich für das Fahrrad nach Trelleborg, der Wind steht gut, ich habe Rückenwind. Trotzdem muss ich mich beeilen, so bleibt für Malmö nur der schnellste Weg den mir Komoot raussucht.

Hyllie Wasserturm
Schweden

Was mir in Schweden positiv aufgefallen ist: die Bordsteine der Radwege sind sehr gut abgesenkt bzw. es sind gar keine Bordsteinkanten vorhanden. Das ist nämlich ein Punkt, der mich bei deutschen Radwegen am meisten stört, gerade wenn man etwas Gepäck auf dem Gepäckträger hat: man muss bei jeder Kreuzung um seine Zahnfüllungen bangen weil die Bordsteine so schlecht abgesenkt sind.

Ich musste mich etwas beeilen, die Fähre fuhr um 14:30 Uhr. Aber immerhin, 13:23 Uhr und ich war in Trelleborg.

Wasserturm Trelleborg

Aber erstmal muss ich noch Postkarten abschicken. In Dänemark waren mir nämlich die Preise zu teuer, stolze 3,60 € kostet eine Postkarte ins Ausland (bzw. ein Brief, vergünstigte Postkarten gibt es nicht). In Schweden sind es dann „nur“ 2,10 €, immer noch viel wenn man bedenkt dass eine Auslandspostkarte in Deutschland nur 95 Cent kostet. Ich finde dann aber schnell einen passenden Kiosk und werfe die Karten ein.

Die Innenstadt von Trelleborg ist auch nett, aber ich hab's eilig

Der Hafen ist schnell gefunden, aber ich bin etwas verwirrt wie ich da reinfahren soll. Ich folge letztlich der Beschilderung für Autos, man wird dann quasi einmal eine lange Straße vorgeleitet, nur um dann „dahinter“ die gleiche Strecke wieder zurückzufahren. Das ist vermutlich dafür gedacht wenn sich viele Autos stauen. Jedenfalls hat das dann alles gepasst, das Ticket hatte ich schon online gekauft. Die Fahrt inkl. Fahrrad kostet schlappe 17,50 €, das sind immerhin um die 6 Stunden auf der Fähre. Ein wahres Schnäppchen, zumal das kein Sparpreis ist sondern der reguläre Preis wenn man online bucht. Man fährt ganz normal an die Schranke, bekommt sogar einen Zettel für die „Windschutzscheibe“, es gibt dann sogar „Fahrradständer“ auf der Fähre. Insgesamt ist der Hafen viel kleiner wie in Rostock.

Das Thema „Fähre“ hat damit den Schrecken für mich verloren, man sollte nur wirklich genügend Zeit einplanen wenn man den Hafen nicht kennt. Es ist alles für Autos ausgelegt und nicht für Räder. Für Fußgänger gibt es übrigens eine Abkürzung (und der Hafen ist ohnehin direkt beim Bahnhof) und in Rostock sogar einen Shuttlebus zu einer Haltestelle des Stadtverkehrs, insofern kann ich die Route durchaus auch für Fußgänger empfehlen, zumal eine Kabine oder Koje viel einfacher und günstiger zu haben sind wie beim Nachtzug ein Privatabteil.

Auf zur Fähre

Ob auf der Fähre Maskenpflicht herrscht weiß glaub ich niemand so genau. Auf internationalem Gewässer dürfte ohnehin weder die deutsche noch die schwedische Gesetzgebung gelten sondern nur das Hausrecht der Rederei. Ich persönlich benutze sie am Gang aber nicht am Platz, bin aber eh viel draußen bei dem herrlichen Wetter und gönne mir auch eine Mahlzeit im Restaurant.

Steilküste von Møn
Leuchtfeuer Warnemünde

Die Fähre hat etwas Verspätung. Ich muss 22 Uhr im Hotel sein sonst wird ein Spätzuschlag fällig. Als sparsamer Schwabe lege ich mich ins Zeug, den Weg kenne ich ja im Prinzip, um 22:03 bin ich dort, man ist aber gnädig und verlangt nichts zusätzlich. Fahrrad kommt in eine Garage, auf das Frühstück verzichte ich aus Zeitgründen, das Zimmer schaut etwas seltsam aus aber ist ansonsten einwandfrei. Nach fast zwei Wochen nur im Zelt schraub man seine Ansprüche ohnehin etwas runter, aber ich könnte jetzt auch nicht wirklich sagen dass ich da besser geschlafen hätte als im Zelt.

Zimmer

Immerhin, man verlangt meinen Impfnachweis. Nichtmal auf der Fähre hat man sich dafür interessiert, diese ganzen Regeln sind nicht nur verwirrend, in der Praxis spielt es ohnehin fast keine Rolle. Weniger ist manchmal durchaus mehr.

Samstag: ab nach Hause

Der KISS-IC2 fährt kurz nach 8 Uhr in Rostock ab. Es sind die „alten“ Westbahn-Züge von Stadler, die die DB vor zwei Jahren gekauft und ans DB Design angepasst hat. Die Fahrradplätze sind im Nahverkehrs-Stil (aber reservierungspflichtig), Ledersitze in der 2. Klasse, insgesamt gefallen mir die Züge recht gut. Nettes Detail sind die Reservierungsanzeigen als E-Paper statt als (O)LED.

Fahrradplatz im KISS IC2
Ledersitze

Umstieg in Berlin-Südkreuz auf Flixbus (dies erspart den Weg vom Hauptbahnhof zum ZOB mit dem ÖPNV). Dort treffe ich mich noch mit @spmrider und sehe mal sein Liegerad in echt. Schönes Teil.

Fahrradträger von Flixbus

Die Räder kommen bei Flixbus hinten dran, und das ist auch das große Manko. Beim Einhängen ist der Busfahrer nicht zimperlich und so entsteht am Bügel beim Getränkehalter eine kleine Schramme (an dieser Stelle sind die Aufhängungen nicht gummiert). Außerdem regnet etwas kurz während der Fahrt in Franken und so ist das Fahrrad dadurch schmutziger wie nach zwei Wochen Urlaub. Vor allem handelt es sich ja nicht um normalen Regen sondern um diesen dreckigen Staub/Sand, der von der Straße und den Auspuff direkt aufs Fahrrad gewirbelt wird. Der Bus ist ansonsten ziemlich leer, bequem finde ich Busfahren nicht, die Fahrt zieht sich dann auch.

Es ist wirklich nur eine Notlösung. Ich glaube wenn ich nochmal fahren würde, hätte ich den IC2 bis Dresden gebucht und würde dann im Nahverkehr über Hof zurückfahren. Dauert zwar noch länger, aber die Umstiege wären verkraftbar und mein Rad wäre in sicheren Händen gewesen. Sowohl der Fahrer als auch die Begleitperson, die die Tickets kontrolliert hat, sprachen kein Wort deutsch. Flixbus ist schon ein sehr zwielichtiges Unternehmen das nur auf Gewinnmaximierung setzt. Und so günstig fand ich die 35 € von Berlin nach Nürnberg jetzt auch nicht.

Immerhin: pünktlich in Nürnberg, noch nach Hause geradelt und wohlbehalten angekommen.

Zusammenfassung und Fazit

Wer sich für die Strecke interessiert: bin ich relativ konsequent den Berlin-Kopenhagen-Radweg gefahren. Wie bei fast allen touristischen Radfernwegen gibt es auch dafür ein Tourenbuch, das auch ein gutes Unterkunftsverzeichnis hat. Gerade in Dänemark sind die Unterkünfte eher mau, wenn man nicht zelten möchte, man sollte also etwas planen.

Wie immer habe ich meine Tour in einer Komoot-Collection aufgezeichnet.

Die Tour ist ideal zum Zelten: neben einer großen Campingplatzdichte auf der Mecklenburgischen Seenplatte findet man in Dänemark neben den Campingplätzen auch noch viele Naturzeltplätze. Die Straßen sind gut, fast nur Asphalt. Oft fährt man auf wenig befahrenen Landstraßen, teilweise mitten durch den Wald auf Fahrradstraßen. Wer allerdings viele Sehenswürdigkeiten in Städten sucht, wird enttäuscht sein. Zwar hat man am Anfang und Ende Berlin bzw. Kopenhagen, aber eine Städtereise kann man auch ohne Fahrrad machen. Es findet sich die eine oder andere schöne Stadt auf dem Weg (beispielsweise Waren, Rostock, Oranienburg, Køge), aber insgesamt ist es eher ein Naturerlebnis mit vielen Seen, endlosen Feldern und Strand.

Während der Mecklenburger Teil hügeliger war als gedacht war es in Dänemark – bis auf Møn – total flach aber umso windiger. Das stört beim Vorankommen eigentlich mehr als Hügel, vor allem, wenn man es nicht gewohnt ist. Der Wind ist quasi „unsichtbar“ und ständig da während man die Hügel sieht und zu jedem Anstieg auch ein Abstieg gehört.

Die Fahrt mit der Fähre (und Fahrrad) war für mich komplettes Neuland. Hat man sich aber mal an die etwas umständliche Prozedur am Hafen, die halt für Autos, Busse und Lastwagen ausgelegt ist, gewöhnt, schätzt man umso mehr die Vorteile gegenüber einer Bahnfahrt: großer Außenbereich ohne Maskenpflicht, keine Kapazitätsengpässe für Fahrräder und nicht zuletzt ein etwas breiteres gastronomisches Angebot als im Speisewagen. Internet hat man logischerweise auf dem offenen Meer keines.

Ausblick

Auch der kleine Abstecher in Schweden hat mir gut gefallen. Die logische Fortsetzung wäre der Kattegattleden von Trelleborg nach Göteborg. In Schweden ist Fahrradmitnahme in der Bahn zwar ein Kapitel für sich (die Fernzüge nehmen fast alle keine mit), es gibt allerdings eine direkte Nachtfähre von Kiel nach Göteborg, insofern wäre die Anreise und Heimreise kein Problem.

Der Berlin-Kopenhagen-Radweg ist auch Teil der EuroVelo Route 7 („Sonnenroute“) von Sizilien bis zum Nordkap. Hätte man bloß mehr Urlaubstage. :-)

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Die Kommentarfunktion wurde vom Besitzer dieses Blogs in diesem Eintrag deaktiviert.

Kommentar schreiben

Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.
Um einen Kommentar hinterlassen zu können, erhalten Sie nach dem Kommentieren eine E-Mail mit Aktivierungslink an ihre angegebene Adresse.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Formular-Optionen