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Ostern am Gardasee 2019

Karfreitag – Anreise

Die Fahrradtaschen sind gepackt, es ist wunderschönes Wetter, nur ziemlich windig. Da mein Zug um 12 Uhr in Nürnberg abfährt, bin ich zum Bahnhof in Nürnberg mit dem Rad gefahren statt über Fürth wie geplant. Eine nette Einstimmung auf den Urlaub, außerdem werde ich am heutigen Tag noch genug sitzen. Bin nach einer Wegbeschreibung von Komoot quer über die Rothenburger Straße gefahren ­ der kürzeste Weg. Zwischen der evenordbank und dem Bahnhof habe ich mich etwas verfahren, war aber ganz interessant. Nun habe ich mal gesehen wo der neue GfK-Campus hinkommt, außerdem sind da viele interne Einrichtungen der Deutschen Bahn untergebracht.

Nun war ich also 20 Minuten zu früh am Hauptbahnhof, Essen war eingepackt. Die Zeit habe ich direkt am Bahnsteig gewartet, der ICE kam pünktlich, die Wagenreihung richtig, was den Einstieg mit dem Fahrrad sehr leicht gemacht hat. Der Platz für mein Rad war zwar trotz Reservierung und -anzeige belegt, aber ein anderer dafür frei. Die Fahrt nach München im ICE4 war ein Traum, keine Druckunterschiede im Tunnel, die Zeit mit Video gucken am Laptop vertrieben und wir waren pünktlich in München Hbf. Wunderschönes Wetter, Stau auf der A9 (allerdings in Gegenrichtung). Nun also zum EuroCity auf Gleis 13.

Dort angekommen fuhr er auch schon ein. Eine ÖBB-Taurus Lok an der Spitze, Tür am Wagen 88 ging nicht auf. Ich bin also mit Fahrrad und zwei Taschen in den Wagen daneben eingestiegen und habe versucht, das Fahrrad durch den Durchgang zu schieben. Der Fehler war, dies gleich am Anfang zu machen. Eigentlich hat der Zug hier ja einen Bahnsteigaufenthalt von über 20 Minuten. Naja, dann kam eine Zugbegleiterin die mir mit schlauen Tipps erklärt hat, wie ich mein Fahrrad befestigen muss. Am Ende hat sie mir dann aber sogar geholfen, das Aufstellen des Rades und Aufhängen ist ein ziemliches Gewurschtel, zumal die Glasscheibe verhindert dass man den Lenker richtig drehen kann. Mein Rad ist offenbar zu groß für das was die ÖBB sich vor 30 Jahren ausgedacht haben, als sie diesen Waggon konstruierten.

Nun gut, das Fahrrad hing, die Klimaanlage hat den Wagen auf eine vernünftige Temperatur gekühlt und langsam schiebt sich das Gefährt am Alpenrand vorbei. München Ost –­Rosenheim – Kufstein – Wörgl erstmal nach Innsbruck. Der Zug war gut gefällt, die Aussicht traumhaft, ich vertrieb mir meine Zeit mit Podcasts, Nachrichten schreiben und Fotografieren. In Innsbruck stiegen viele aus und ein, in meiner Vierergruppe im Großraumabteil kamen zwei Herren mittleren Alters die an die Adria unterwegs waren. Die beiden waren recht nett, machen auch viele Fahrradtouren und erzählten mir vom Brennerradweg. Einer der beiden arbeitet bei einer Firma die am Bau des Brennerbasistunnels beteiligt ist. Man merkt langsam wie sich sich der Stier (Taurus) mühsam den Berg hochschiebt bis zum Brenner. Immer wieder sieht man auch Ein- und Ausgänge zum Tunnel. Dort angekommen haben wir einen Aufenthalt von rund 20 Minuten, italienisches Militär geht durch. Nun geht's wieder abwärts und etwas schneller.

Langsam würde ich gerne ankommen, aber es dauert noch zwei Stunden bis der Zug fast pünktlich um kurz nach 18 Uhr den Zielbahnhof Trento/Trient ansteuert. Zeugs also ausgeladen, Aufzug gesucht (und gefunden) und ab geht's Richtung B&B. Dort angekommen war ich etwas verwirrt. Es stellte sich heraus, dass das mehr so Airbnb-Style eine Wohnung ist, keiner ist da, ich rief also die hinterlegte Nummer an, zum Glück meldete sich dann der Inhaber und versprach in 10 Minuten da zu sein. Das hat geklappt, der Checkin war kurz und schmerzlos und ich müde.

Das Zimmer war ganz nett mit Balkon, ein eigenes Bad, Küchenbenutzung möglich. Die Wohnung war erst leer, ich fuhr noch etwas in der Stadt herum und aß etwas. Geschäfte hatten auch offen und so konnte ich bei einem Spar etwas einkaufen. Man verbringt erstaunlich viel Zeit im Urlaub mit alltäglichen Dingen: Taschen packen und auspacken, einkaufen, Fahrrad irgendwo hinstellen und sicher abschließen usw. Trotzdem ging ich recht früh zu Bett, ich war einfach müde. Ich hatte so ein Doppelbett mit einer großen Decke. Zudem nicht richtig überzogen sondern nur so ein komisches Laken auf der einen Seite. In Italien durchaus üblich, ich find's aber etwas nervig, da ich nachts gerne mal die Decke umdrehe ­ um die kalte Seite zu bekommen und anscheinend überhaupt einen unruhigen Schlaf habe.

Der Domplatz von Trient

Karsamstag – Fahrradtour zum Caldonazzosee

So richtig gut geschlafen habe ich nicht, aber so richtig schlecht auch nicht. Frühstück gab es im Café nebenan als Gutschein. Allerdings bestand dies lediglich aus einem Croissant und einem Cappuccino – Italien halt. Eigentlich wollte ich um 14 Uhr an einer Stadtführung teilnehmen, das Wetter war aber dermaßen traumhaft dass ich mir eine Tagestour auf Komoot rausgesucht habe (Komoot – 62,5 km ↗ 890 m ↘ 880 m). Es ging zum Caldonazzosee. Die Fahrt war eine schöne Strecke aber steiler als gedacht. Ich habe öfter mal Pause gemacht wenn's grad gepasst hat und so ging der Tag dahin. Nachmittags war dann der Akku leer und keine Ladestation in der Nähe. Ich ging dann in ein Café in so einer Art Einkaufszentrum im Niemandsland, die haben mir auch erlaubt meinen Akku zu laden, allerdings haben die 20 Minuten nicht gereicht. Ich war einfach zu ungeduldig. Da der Weg aber fast nur noch nach unten ging, bin ich auch ohne Akku gut vorangekommen, für ein kurzes Stück musste ich dann den Berg hochschieben.

Die Etsch am Morgen
Auf dem Weg nach oben ...
Der Caldonazzosee
‥ und nun von hinten

Leider verlor ich auf dem Weg meine Kappe, weshalb ich eine neue kaufen musste. Am Abend bin ich dann nochmal an den Bahnhof zum Trainspotting, in Trient kann man durchaus recht unterschiedliche Züge sehen:

  • die DB-ÖBB EuroCity, mit denen ich gefahren bin
  • Frecciarossa der italienischen Staatsbahn
  • .italo, ein privater italienischer Anbieter von Hochgeschwindigkeitszügen, neuerdings auch auf der Strecke ab Bozen
  • natürlich viele Güterzüge
  • Regionalzüge unterschiedlicher Bauart, sowohl moderne Triebzüge (Diesel und elektrisch) als auch alte Wagenzüge

Was mich aber eigentlich interessiert hat war die Schmalspurbahn nach Mezzana, mit der ich zwar noch gerne gefahren wäre, leider ging sich das aber zeitlich nicht mehr aus. Es dauerte etwas, bis ich sie überhaupt gefunden habe, sie fährt nämlich an einem ganz anderen Teil des Bahnhofs im Norden ab. Dazu kommt dass ich gedanklich in Trient immer Nord mit Süd und West mit Ost verwechselt habe. Die Orientierung hat zwar soweit geklappt dass ich eigentlich alles gefunden habe, aber trotzdem war der Wurm drin.

nein, das ist keine Schmalspurbahn sondern nur eine schlecht belichtete Dampflok
besagte Schmalspurbahn, die eigentlich wie ein ganz normaler Diesel-Triebwagenzug aussieht, eben etwas schmäler

Am Abend war ich einfach nur müde von der Tour

Ostersonntag – Von Trient zum Gardasee

Ehrlich gesagt war es mir an diesem Tag so gar nicht direkt bewusst, dass Ostern ist. Für mich war es einfach ein Urlaub, ohne wirklichen Bezug zu diesem christlichen Feiertag.

Ich habe die ganze Zeit hin- und herüberlegt ob ich den ersten Abschnitt über die Seilbahn zurücklegen soll oder direkt den Berg hochradeln. Der Tag begann jedoch mit einem kleinen Ausflug zum Technikmuseum MuSe, ich wollte das Gebäude wenigstens von außen gesehen haben:

Technikmuseum MuSe in Trient
Im Vordergrund eine MC 205 Veltro, im Hintergrund eine Kunstgallerie

Die erste Seilbahn fuhr um 10:30 Uhr und dann im 30-Minuten-Takt. Nachdem bereits zwei dicht bepackte Drahtesel dastanden und ich irgendwie mit meinem E-Bike nicht denen die Mitnahme verderben wollte, bin ich letztlich dann direkt aufgebrochen, nicht ohne die Kabine vorher abzulichten:

Die Seilbahn

Anschließend ging es relativ steil nach oben, einen beachtlichen Teil habe ich geschoben, da mir die Steigung zu steil war zum Fahren und ich auch etwas den Akku schonen wollte. Der Ausblick über Trient war herrlich – man hat aber auch gemerkt, dass das Wetter langsam schlechter wird. Die "Wolken" sind aber erstmal Saharastaub

Panorama über Trento

Tja, und nun ging es abwärts. Nach ein paar Kilometern fing meine Bremse an zu blockieren. Nachdem ich mit der vorderen Bremse schonmal Probleme hatte und mir ein Mechaniker gesagt hat, dass die Bremse nicht richtig schließt – gleichzeitig der Mechaniker meines Händlers aber beteuert hat, dass er das nicht so sieht und alles in Ordnung sei – habe ich bereits gedanklich alle möglichen Leute verflucht und an der Qualität meines Rades gezweifelt. Bei genauerem Hinhören stellte ich aber dann letztlich fest, dass die hintere Bremse das Problem ist. Während ich bereits kurz davor war, die Pannenhilfe von JobRad auszuprobieren gelang es mir dann durch Reinigung der Bremsscheibe mit der Hand die Bremse soweit zu bringen dass sie nicht mehr blockiert. Funktioniert hat sie weiterhin nicht, ich musste also bei der weiteren Abfahrt peinlich darauf achten, nurmehr vorne zu bremsen.

Da es nach und nach flacher wurde, ging dies auch ganz gut. Wir kommen nun zum Sarca-Radweg, wegen dem ich ja die beschwerliche Route von Norden her gefahren bin. Zum einen ist der Radweg sehr gut ausgebaut, fast eine Radautobahn (mit kaum Fußgängern), zum anderen ist die Landschaft wirklich sehr schön.

Die Sarca
Wasserkraftwerk (im Vordergrund: mein Drahtesel mit nur einer funktionierenden Bremse)

Mittendrin habe ich nochmal eine Pause eingelegt, um das erste italienische Eis des Jahres zu genießen – wie immer eine Kugel Vanille, man will schließlich keine Experimente eingehen. Komoot navigierte mich problemlos zu meiner Unterkunft, und hier dann auch der Tourenlink – 55,4 km ↗ 1050 m ↘ 1150 m. Es empfing mich ein älterer Herr, der etwas verwirrt schien. Er dachte erst ich wäre zu zweit, gab mir dann das Zimmer um danach wiederzukommen und mir zu erklären dass es eine Verwechslung sei. Ich bekäme das andere Zimmer oben, das seine Frau aber noch fertig machen müsse, die grad in der Kirche sei.

Ich erklärte ihm dass ich nach einer kurzen Rast nochmal in den Ort fahren wolle, um noch etwas zu essen und sie das dann erledigen könne. Ich fuhr nach Riva del Garda, machte mir nun allmählich wieder Sorgen wie es mit meiner Bremse weitergehen soll, aß etwas zu Abend in einer Pizzeria, warf noch einen kurzen Blick auf den See und fuhr zurück zur Unterkunft, rund 3 km.

Der Gardasee also

Die Frau war ebenfalls älteren Semesters, sprach so gut englisch wie ich italienisch (also gar nicht), war aber sehr nett und etwas organisierter als ihr Ehegatte und hat das Schlafsofa während meiner Abwesenheit zu einem Bett umfunktioniert. Es handelte sich um ein kleines Apartment mit Bad und Küche und Kühlschrank im Zimmer.

Ein kleiner Balkon war auch noch dabei. Unter mir ein junges Pärchen aus dem Bayerischen Wald, leider kommt man durch die Tatsache dass es keinen Aufenthaltsraum oder ein Frühstücksbuffet gibt, mit anderen Reisenden gar nicht in Kontakt.

Nach dem bewegten Tag schlief ich ganz gut ein. Um das Fahrrad wollte ich mich morgen kümmern.

Ostermontag – Über die Ponalestraße zum Legrosee

Zunächst einmal sehen es die streng katholischen Italiener mit den Feiertagen nicht so eng wie wir Deutschen: Supermärkte haben zumindest teilweise geöffnet. Und so konnte ich an diesem Tag erstmal mein Frühstück im Spar gegenüber besorgen. Jetzt musste ich mich aber um mein Rad kümmern, größere Touren mit einer Bremse wollte ich eigentlich nur sehr ungern übernehmen.

Leider kannte ich den Wetterbericht der für die nächsten Tage nichts gutes verheißen hat. Insofern war heute vielleicht der letzte schöne Tag und den wollte ich eigentlich nutzen. Befürchtet hatte ich, dass mir der Fahrradladen einen Termin morgen anbietet. Ich fuhr also zu einem sympathischen Laden The Lab in Riva del Garda. Dort war ich baff. Der Mechaniker schritt sofort zur Tag und tauschte meine Bremsbeläge. Leider erklärte er mir auch, dass die Scheiben in Mitleidenschaft gezogen wurden und ich daher eigentlich neue bräuchte, er hätte bloß keine hier. Die Bremse würde funktionieren aber stärker verschleißen, daher sollte ich mir beim nächsten Mal dann auch neue Scheiben gönnen. Mir war das erstmal egal, der Spaß kostete lediglich 15 €, und die Bremsen taten bestens.

Auf den Schock brauchte ich erstmal einen Cappuccino, so richtig hatte ich für heute ja gar keinen Plan da ich damit nicht gerechnet hatte. Schnell entschied ich mich aber für die Ponalestraße ins Legrotal. Die Straße selbst ist in einem wirklich erbärmlichen Zustand, eigentlich braucht man ein Mountainbike dafür. Erschwerend kam die Vielzahl von Radfahrern und Wanderern hinzu, wodurch ich den Weg und den schönen Ausblick gar nicht wirklich genießen konnte. Am heftigsten blieb mir ein Rennradfahrer mit Kinderanhänger in Erinnerung – ich hoffe sehr dass das Kind nicht an einer Gehirnerschütterung gelitten hat nach diesem Ausflug.

Ausblick von der Ponalestraße nach Norden
... und nach Süden
Die Ponalestraße selbst (hier mit guter Qualität)

Nach dem ersten Ausflugslokal wird's etwas ruhiger – die ganzen Fußgänger sind eigentlich nur bis hierhin unterwegs. In der Nähe mündet die Ponale (ein Fluss) in den Gardasee. Von dort führt auch dann eine richtige Asphaltstraße den Berg hoch, weiter hinter ins Ponaletal und zum Ponalesee, dem eigentlichen Ziel des Ausflugs. Der Radweg ist eher was für Mountainbikes, ich bin die normale Straße gefahren, die zwar am Anfang stark befahren ist, später aber durch parallel verlaufende Nebenstraßen ganz gut umgangen werden kann.

Beim eigentlichen See befinden sich Ausflugscafés. Dort steht ein hochwertiges E-Bike neben dem anderen, zum ersten Mal seit langem habe ich überhaupt keine Befürchtung, dass meines gestohlen werden könnte. An der Spitze des Sees befindet sich auch eine Pfahlsiedlung.

Der Ponalesee
Siedlung

Nach einigem Aufenthalt beschließe ich, den See zu umrunden, was etwas harmloser aussieht als es ist, da der See doch größer ist als man denkt und die Straße am Westufer ansteigt. Von "hinten" sieht der See aber fast noch besser aus:

Arco

Der Rückweg ist relativ unspektakulär, die Bremsen sind gefordert. Es zieht langsam zu ohne jedoch zu regnen. Achso, Komoot – 39,4 km ↗ 890 m ↘ 890 m. Den Abend fahre ich noch nach Arco, den Besuch der Burg verschiebe ich aber auf einen anderen Tag.

Dienstag – Regen

Tja, der Wetterbericht verhieß nichts Gutes und so kam es dann auch. Es regnete gleich am Morgen. Missmutig gelaunt fahre ich nach Riva del Garda und schieße ein paar Fotos:

Der Hafen von Riva del Garda mit Uhrturm
Wasserkraftwerk

Ich bin dann in ein Museum, was mich aber eigentlich gar nicht interessiert hat, zudem waren die ganzen Texte ausschließlich auf Italienisch. Nach 15 Minuten war ich wieder draußen. Immer noch mies gelaunt wegen des schlechten Wetters beschließe ich, den Berg hoch zu einer Bastion zu laufen. Von dort hat man immerhin einen sehr guten Ausblick auf den Ort:

Riva del Garda
Arco

Schließlich fahre ich noch rüber nach Torbole – die Seglerbastion am Gardasee. Nach kurzer Regenpause fängt es aber nachmittags an stärker zu regnen und ich gebe mehr oder weniger auf, fahre in die Unterkunft und mache es mir mit meinem Laptop gemütlich. Als ich den Tag abgehakt habe, wird meine Laune auch wieder besser. :-)

Es ist nicht so dass ich mir im Vorfeld keine Gedanken gemacht hätte, was man bei Regen tun könnte. Aber irgendwie war nichts dabei was gepasst hätte, nach Trient fährt man ohne Auto nicht mal ebenso, 90 € für einen Mietwagen waren mir schlicht zu teuer, Hallenbad gab es auf der Nordseite des Sees keines und die Museen waren uninteressant. Mag sein dass ich was übersehen habe, aber gut, vorbei ist vorbei. Der nächste Tag sollte ja besser werden.

Mittwoch – die große Tour, die ins Wasser fällt

Der Wetterbericht sagt im Prinzip: Erst Regen, dann schön, am Abend potentiell wieder Regen. Los geht's im leichten Nieselregen nun nach Arco auf die Burg. Also mit dem Rad nach Arco und von dort zu Fuß den Berg hoch. Das Wetter erzeugt eine ganz eigenartige aber schöne Stimmung auf den Bildern:

Garten vor der Burg

Die Burg von vorne
Von der Burg aus fotografiert

Ich habe schon beeindruckendere Burgen gesehen, die Geschichte liefert Wikipedia. Besonders ist halt die Lage oben am Berg.

Das Wetter wird besser, es spitzt sogar die Sonne durch. Sodann beschließe ich, mich aufzumachen und wie geplant das Sarca-Tal etwas weiter nach hinten zu erkunden. Ich fahre also den Radweg wieder zurück und freue mich über die schöne Landschaft. Übermäßig stark frequentiert ist er nicht, aber alleine bin ich auch nicht. Um den Akku zu schonen fahre ich im Eco-Modus was erst ungewohnt ist, etwas anstrengender, aber man gewöhnt sich recht schnell daran.

Und dann komme ich an den Punkt wo der Radweg nach links abbiegt ins Sarca-Tal während ich am Hinweg von der Gegenrichtung vom Berg runter kam. Ich bin nun wirklich hingerissen, das was sich vor meinen Augen abspielt ist einfach nur spektakulär:

Der Radweg, der aussieht wie eine Autobahn
Die Schlucht in seiner vollen Größe, links die Straße (der Radweg ist nicht durchgängig)
Ausnahmsweise mal ein Selfie

Geplant hatte ich eigentlich, an einem gewissen Punkt umzukehren. Ich war dann aber so begeistert dass ich weiter wollte, den Ringschluss zum Tennosee wagen. Mittendrin war dann so eine Art Kurpark wo ich mich etwas ausruhte, nach einer halben Stunde dann aber geistesgegenwärtig das Regenradar ansah, das nichts Gutes verhieß.

Nach einiger Zeit ging dann trotz teilweise Eco-Modus der Akku langsam zur Neige. Da ich keine Lust hatte, am Schluss gegen die Lager des Antriebs zu fahren nutzte ich das plötzlich vor mir erscheinende Angebot in Form einer Ladesäule und füllte meinen eigenen Energiespeicher mit einem Latte macchiato in einem Restaurant gegenüber. Es regnete leicht, und laut Regenradar wurde das was Längeres. Insofern brach ich auf.

Besagter Tennosee

Leider wurde es nun richtig nass, die Straße wurde recht steil und es ging terpentinenartig schier ewig den Berg ab. Das ist dann der Punkt wo ich einfach nur funktionierte ohne nachzudenken, im Kopf mein Bett und die heiße Dusche, die ich mir sofort gönnen würde wenn ich die Unterkunft erreiche.

Wie schön könnte dieses Foto sein, wenn nicht alles im Regen wäre

Die Zusammenfassung liefert wieder Komoot 52,7 km ↗ 970 m ↘ 970 m. Tja, irgendwie war es die geilste Fahrradtour meines Lebens, leider doch deutlich getrübt durch den starken Regen. Meine Jeans (ich weiß, als echter Radler fährt man nicht mit Jeans) hat zwei Tage zum Trocknen gebraucht. :-)

Donnerstag – auf nach Roveretto

Tja, der Donnerstag soll der wettermäßig schönste Tag der Woche werden und startet sogleich mit Sonnenschein, wenn auch etwas frisch. Wehmütig breche ich auf, irgendwie habe ich mich in meinem kleinen Apartment wohlgefühlt. Daher schieße ich nochmal ein Foto der Unterkunft:

Residence Gemma, mein Domizil für die letzten vier Tage
Die nebenstehende Kirche San Tomaso war mir vor allem wichtig als Zielpunkt für Komoot

Vorbei am Gardasee mache ich bei Torbole noch einmal ein Panorama:

Gleich nach Torbole folgt erst ein steiler Anstieg, der aber auch einen schönen Blick auf das Tal ermöglicht:

Blick nach der Auffahrt von Torbole nach Nordwesten

Der Rest des Radweges verläuft relativ ebenerdig und so erreiche ich um die Mittagszeit dann auch die Etsch und Roveretto.

Die Etsch

Mittags mache ich am neu renovierten Bahnhof Pause, um schonmal die Lage für die Abreise zu erkunden. Eigentlich ein kleiner Bahnhof und ein kleiner Ort, der Umstand dass hier alle Fernzüge (und in Deutschland beklagt man sich von wegen ICE und Milchkanne) halten ist wohl evtl. auch der Tatsache geschuldet dass man hier per Bus am einfachsten zum Nordufer des Gardasees gelangt.

Ganz nebenbei sei erwähnt dass es von Roveretto aus tatsächlich schonmal eine Schmalspurbahn (Bosnische Spurweite) zum Gardasee nach Arco und Riva del Garda gab. Details sind auf Wikipedia – Lokalbahn Mori–Arco–Riva zu finden. Leider wurde der Betrieb noch 1936 eingestellt. Der Radweg, den ich entlangfuhr, liegt zum Teil auf der ehemaligen Trasse eben jener Bahn. Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Arco ist relativ klar als solches erkennbar. Witzigerweise hätte diese Bahn direkt vor meiner Unterkunft am Haltepunkt San Tomaso gehalten. Schade eigentlich. ;-)

Von der Eisenbahngeschichte der K.u.K.-Monarchie zurück in die Gegenwart. Irgendwie war ich an diesem Tag ziemlich planlos unterwegs, und so schaffe ich durch ein paar Irrwege meine rund 20 km lange Anreise auf über das Doppelte auszubauen bis ich schließlich die Unterkunft am Nachmittag gegen 14 Uhr erreiche. Was das Suchen von Adressen betrifft ist Komoot deutlich schlechter als Google Maps, dafür beherrscht Google in Italien überhaupt keine Fahrradnavigation und schickt einen direkt über die Autobahn.

Mein B&B Casa del Noce liegt nicht direkt in Roveretto sondern in einem Ort namens Villa Lagarina direkt an der Brennerautobahn (und am Etschradweg). Die Besitzerin ist sehr nett, Fahrradabstellmöglichkeiten sind vorhanden. Das Zimmer selbst hat einen ebenerdigen Eingang direkt vom Innenhof. Komisch finde ich, dass es nun schon das zweite Mal in Italien ist, dass ich ein Doppelbett mit einer großen Decke bekomme. Für Liebespaare mag dies ja ganz nett sein, aber wenn man mit einer anderen Person verreist möchte ich eigentlich nicht unter einer großen Decke schlafen. Nun gut.

Am Abend laufe ich noch durch den Ort, schaue in die Burg und ins Burgmuseum hoch und es beginnt – der geneigte Leser ahnt es bereits – zu regnen.

Innenstadt von Roveretto
Burg in Roveretto

So richtig warm werde ich mit Roveretto und den engen Gassen irgendwie nicht. Da gefiel mir Trento deutlich besser. Stadtführung hätte es am Samstag um 14 Uhr gegeben, die hätte mich dann tatsächlich interessiert.

Nachdem ich nun für den nächsten Tag mit Regen rechnen muss, begann ich, einen Plan B auszuarbeiten:

  • Kriegsmuseum in der Burg
  • Fahrt nach Trento (evtl. mit dem .italo)
  • Besuch des Technikmuseums
  • Fahrt mit der Schmalspurbahn

Mit diesem Programm konnte ich nun gut einschlafen und freute mich auf den nächsten Tag.

Freitag – Regen, oder nicht?

Ich fuhr also die drei Kilometer nach Rovereto und wollte mir eben jenes Kriegsmuseum anschauen, das aber aktuell nicht geöffnet hatte wegen Bauarbeiten. So ungefähr, das Personal im Museum konnte kein Wort englisch und deutsch (was mir schon etwas ein Rätsel ist, normalerweise arbeiten doch dort relativ gebildete Leute mit Abitur, da sollte man doch zumindest Grundkenntnisse in der englischen Sprache haben?).

Missmutig verließ ich die Burg und wollte dem Wetter eine Chance geben und mit dem Rad hoch zur Gefallenenglocke fahren, die mich interessiert. Das ganze Gebiet um Roveretto war ziemlich stark vom ersten Weltkrieg in Mitleidenschaft gezogen, in diesem Gebiet verlief die Grenze zwischen Italien und Deutschland. Was viele nicht im Kopf haben: Im WKI kämpfte Italien an der Seite von Frankreich und England, also gegen Österreich-Ungarn. Der Artikel Gebirgskrieg 1915–1918 liefert einen ganz guten Überblick, an der Karte des Frontverlaufs erkennt man ganz gut dass die Front genau zwischen dem Gardasee und Roveretto lag. Letztlich war dieser Krieg dann ja auch die Ursache dass Italien Südtirol und weitere Gebiete trotz der dort ansässigen mehrheitlich deutschen Bevölkerung bekam, was ja bis heute Auswirkungen hat.

Gefallenenglocke
Flaggengalerie auf dem Weg zur Gefallenenglocke

Die Glocke läutet immer am Abend. Die Bauwerke rund um die Glocke haben für mich eher den Charme des Kommunismus der 70er Jahre, ich habe schon gelungenere Gedenkstätten gesehen.

Das Wetter am Freitag weiß nicht was es will, so richtig regnen will es nicht, so richtig stabil trocken will es auch nicht sein. Spontan beschließe ich, doch den Etschradweg bis Verona zu fahren, soweit ich eben komme, und dann mit dem Zug zurück. So richtig weit wird's nicht, in Serravalle breche ich die Fahrt wegen Regens ab. Am Bahnhof treffe ich zwei nette Radler aus Freising, auch mit E-Bike unterwegs, sie kamen von der Toskana und fahren am Samstag ebenfalls mit dem Zug zurück.

Bahnhof in Serravalle
Moderner italienischer Triebwagen

Die neuen italienischen Triebwagen gefallen mir irgendwie, einfach die bunt fröhliche Farbgebung. In meiner Richtung verkehrt dann aber ein alter italienischer Wagenzug mit sehr beschwerlichem Einsteig – im Nachhinein habe ich gesehen dass es im Steuerwagen Fahrradplätze gibt und die Türen dort größer gewesen wären. Die Fahrradkarte Nahverkehr kostet in Italien übrigens 3,50 €, auf der kurzen Distanz war mein Rad damit teurer als ich mit 3,20 €. Zwei Stationen später in Roveretto ist meine Fahrt zu Ende, erstmal Mittagessen.

Ich fahre in das B&B, schaue noch zwei Folgen meiner Serie und am späten Nachmittag zeichnet sich schönes Wetter ab. Ein gelungener Abschluss dachte ich, auf zum nahe gelegenen Castel Beseno!

Hoch am Berg: Castel Beseno

Auf dem Foto schaut das alles so niedlich aus, tatsächlich stand am Fuße des Bergs was von einer Stunde Aufstieg. Ich fahre die Straße mit dem Fahrrad hoch, ca. 8 % Steigung ist man ja mittlerweile gewohnt. Oben gehe ich dann zu Fuß auf den Burgberg. Die Burg hat leider schon zu, aber was viel schlimmer ist, ein Gewitter zieht auf. Fuck.

Die Burg von der anderen Seite

Bei Blitz, Donner und strömendem Regen will ich nicht den Berg runterfahren, das war mir zu gefährlich. Das Regenradar verrät mir, dass man es diesmal aussitzen kann und so warte ich ungefähr eine Stunde im Eingangsbereich von ein paar Wohnhäusern in der Nähe, fahre anschließend bei Sonnenschein nach Hause und genieße die frische Luft.

Etschradweg kurz nach dem Regen


Samstag – es geht wieder heim

Hatte ich schon das gute Frühstück erwähnt? In dieser Pension mit der netten Wirtin (die natürlich kein ... spricht) gab es ein wirklich hervorragendes Frühstück mit Säften, Cappuccino, frisch gekochten Eiern, Schinken, Käse, Brot und allem was das Herz begehrt. Schon deutlich angenehmer als aus dem Supermarkt.

Nachdem es für diesen Tag so superschönes Wetter geben sollte, hatte ich beschlossen, noch die 20 km nach Trient zu radeln und erst dort in den Zug zu steigen. Um 10:01 Uhr sollte es losgehen, insofern hatte ich genug Zeit wenn ich gleich nach 8 Uhr losfuhr. Die Taschen waren schon gepackt.

Passenderweise hatte ich das Bike-Zimmer
Casa del Noce von außen

Es war sonnig, es war überraschen frisch und ich hatte Gegenwind. Dennoch eine schöne Stimmung und ein schöner Abschluss.

Etschradweg

In Trient war erstmal der Fahrstuhl kaputt. Dann kam der Zug mit 20 Minuten Verspätung. Der italienische Schaffner wollte mich dann erst nicht einsteigen lassen und meine Reservierung für das Fahrrad sehen (die ich natürlich auch nicht grad zur Hand hatte), meinte ich solle das Rad wieder rausheben und am anderen Ende wieder rein. Ja genau, dass der Zug dann zwischendrin abfährt?! Er ließ sich aber drauf ein dass ich das Fahrrad innen durchschiebe, was natürlich problemlos ging (ich habe mein Fahrrad auch schon durch einen Regionalzug geschoben, das geht, manche Koffer sind unten breiter!).

Leider stand jetzt auf meinem Fahrradstellplatz ein Kinderwagen. Die Besitzerin des Kinderwagens ließ sich erst nicht ausfindig machen, erst vier Wagen weiter konnte ich sie mit Hilfe eines anderen Zugbegleiters finden. Der kam doch dann auf die grandiose Idee dass ich mein Fahrrad nach hinten bringen könne, erst als ich etwas lautstark meinte dass erstens mein Fahrrad schwerer ist als der Kinderwagen und zweitens schließlich ich den Platz reserviert habe und nicht der Kinderwagen ließ er sich von dem Gedankengang abbringen.

Nach 15 Minuten war alles erledigt und ich konnte meinen Sitzplatz einnehmen. In Bozen stiegen dann sehr viele Leute ein, es war gestopft voll. Die Verspätung hat sich nun auf knapp 30 Minuten erhöht was in mir keine Entspannung aufkommen ließ, schließlich musste ich in München in meinen Anschlusszug. Ein Zug später ist so eine Sache, nicht alle ICEs nehmen Räder mit und die, die welche mitnehmen, können ja auch ausgebucht sein.

Zum Glück entspannte sich die Lage dann ab dem Brenner wieder und die Verspätung konnte abgebaut werden, in München waren es nur noch knapp 15 Minuten und der Umstieg in den ICE gelang ohne Probleme. Letzterer war dann auch nicht so voll, das Verladen des Rades ein Kinderspiel und so erreichte ich gegen 16 Uhr Nürnberg Hbf und um kurz vor halb fünf dann Fürth Hbf.

Ich war an diesem Tag fix und fertig und freute mich auf den freien Sonntag, den ich mir extra noch zum Entspannen reserviert hatte. An diesem Tag kam auch der Großteil dieses Berichts zustande.

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