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Mit dem Fahrrad in der Schweiz – #TuxDeSuisse

Vorwort

2020 wird als das Corona-Jahr in die Geschichte eingehen, wo alle Pläne auf den Kopf gestellt wurden. Nun, ich hatte für den Sommer gar keine richtigen Pläne, aber hatte eigentlich eher was in Richtung Ostsee (Polen) oder Berlin-Kopenhagen vor. Aber nachdem mir Polen irgendwie zu weit weg war, also wegen Grenzschließung und Dänemark lange die Grenzen für Touristen geschlossen hielt und ich außerdem nach der Spreeradweg-Tour Lust auf Gebirge hatte, und es mir zudem im Winter sehr in der Schweiz gefallen hat, entschloss ich mich relativ spontan für eine Tour in der Schweiz.

Dieses Jahr wollte ich mir unbedingt einen Traum erfüllen, nämlich im Zelt übernachten. Ich hab das nie gemacht, als 18-jähriger haben wir in meiner Clique einmal draußen übernachtet und ich fand's mega toll, aber die andern empfanden das als zu „unkomfortabel“ – und dann hat sich das irgendwie zerschlagen. Irgendwie fühlte ich mich trotz Ü35 als nicht zu alt das zu wagen. Also hab ich mir im Laufe des Winters und Frühjahrs die Ausrüstung ausgesucht und gekauft und auf zwei Wochenendtouren mal ausprobiert, damit's nicht der komplette Sprung ins kalte Wasser wird. Zur Ausrüstung dann am Ende noch mehr.

Letztlich hat die Geschichte mit dem Zelt zwei praktische Vorteile: es ist gerade in der Schweiz deutlich günstiger und auch viel flexibler, da kleine Zelte eigentlich auf einem Campingplatz fast immer noch Platz haben. Das besondere an dieser Reise war also: Ich hatte nur einen Startpunkt und eine Idee, keinen Endpunkt und keine Rückfahrkarte. Schließlich habe ich mich ausreichend informiert wie ich auch an der Schweiz an eine Fahrkarte komme.

Die einzige Aktion davor war also beim Chef Urlaub zu beantragen und im Fürther Video-Reisezentrum eine Fahrradkarte von Nürnberg über Stuttgart nach Brig zu kaufen. Dort wollte ich dann erstmal übernachten, am nächsten Tag mit dem Zug bis nach Oberwald fahren und weiter mit dem Postauto nach Gletsch. Von dort sollte die Tour über den Grimselpass entlang der Aaare gehen, also die Aare-Route (8). Nachdem die Routen vorbildlich ausgeschildert sind, wollte ich auf GPS-Navigation auch verzichten und bloß aufzeichnen.

Es kam anders, aber ich verzichte jetzt auf eine Karte am Anfang und schreibe einfach wie sich das ergeben hat. Die Karte kommt dann am Ende.

Samstag: Zugfahrt nach Brig

Tja, bahntechnisch ist die Schweiz relativ weit von Nürnberg weg, so dass die Anfahrt einen ganzen Tag in Anspruch nimmt. Nachdem ich bis Freitag arbeiten musste, wollte ich nicht zu früh aufbrechen so dass ich am Morgen noch die letzten Dinge erledigen konnte. Los ging's dann aber letztlich doch schon um 8:30 Uhr, erst mit dem Fahrrad zum Bahnhof nach Anwanden, dann mit der S-Bahn nach Ansbach und im IC2 nach Stuttgart. Es war ein schwül-heißer Tag mit angekündigten Gewittern am Abend.

In Ansbach musste ich mich dann erstmal mit einer Radfahrerin über die Reservierung streiten, sie hat aber dann zum Glück ihren Fehler schnell erkannt und wir haben uns noch nett unterhalten. Hat man auch nicht oft, meistens ist die „Bahn“ ja an allem Schuld. Die Klimaanlage im IC2 funktioniert gut, leider war der Ausstieg in Stuttgart dann wie gegen eine Wand zu laufen. Noch etwas Reiseproviant besorgt, der Zug nach Zürich stand schon bereit. Ich hatte für den Abend noch keine Unterkunft, nur eine Zusage per E-Mail dass auf dem Campingplatz noch was frei wäre und auf booking.com ein paar Hotels deutlich unter 100 Euro gesehen, auf die ich ausweichen könnte.

Nach Stuttgart fahren die alten SBB-Wagen mit mäßiger Klimatisierung. Fahrradplätze befinden sich jeweils 2 am Anfang des Wagens, man muss das Rad aufhängen:

Mein aufgehängtes Fahrrad

Die Fahrt durch's Neckartal ist zwar ganz nett, aber sie zieht sich. Ich hatte dann meinen ersten Tiefpunkt, bevor die Reise überhaupt angefangen hat. Müde, leichte Kopfschmerzen, viel zu schwülwarm (die Klimaanlage ist in diesen Zügen eben nicht besonders gut), mir macht die Maske da zusätzlich zu schaffen auch wenn es angeblich keinen Unterschied macht. In Zürich konnte ich das Ding dann endlich ablegen, in der Schweiz herrscht in den Bahnhöfen auch offiziell keine Tragepflicht. Erstmal Franken aus dem Automaten gezogen und dann den Tiefbahnhof gesucht bzw. den Fahrstuhl dorthin.

Uhrenvergleich in Zürich HB...

Der letzte Teil der Fahrt verbrachte ich dann im SBB-Doppelstockwagen. Die Klimaanlage ist besser, aber zumindest in dem Fahrradabteil auch nicht besonders gut. Um 18:30 Uhr dann in Brig, ziemlich kaputt. Noch schnell den Campingplatz gesucht (geht etwas den Berg hoch) und das Zelt aufgebaut. Besonders gefallen hat er mir irgendwie nicht, das Personal war etwas unfreundlich und mir war der Wasserfall zu laut. Ich bat die Zeltnachbarn (eine französische Familie) etwas auf mein Zelt acht zu geben während ich mich im Dorf noch mit dem @K1ngdaKa88 und der @gleisturbine traf. War echt nett.

Kloster in Brig
Unter dieser Brücke war mein Schlafplatz (das grüne Zelt)
Besagter Wasserfall

Sonntag: Was nun?

Ursprünglich wollte ich ja an diesem Tag den Grimselpass fahren, aber das Wetter war nicht danach, also die Vorhersage. Insofern hab ich den Plan B konstruiert: Die Rhone aufwärts und so lange aussitzen bis Anfang der nächsten Woche das Wetter besser wird. Erstmal startet der Tag aber sonnig.

Die Rotten (so wird die Rhone hier genannt) kurz vor Brig

Das Rhonetal gefällt mir gut, der Radweg ist aber durchaus anstrengend zu fahren, sowohl was die Steigungen als auch was die Wegqualität betreffen.

Grengiols
Brücke in einem Seitental

Sehr gut gefallen hat mir das Dorf Ernen mit den vielen alten noch erhaltenen Holzhäusern.

Ernen
Dorfplatz in Ernen

Auf dem Weg lerne ich dann ein neues Verkehrsschild kennen, das mir auf Twitter erklärt wird: Bergpoststraße: „Eine Bergpoststraße ist eine besondere Verkehrsstraße in der Schweiz. Auf diesen Bergpoststraßen haben Linienbusse der schweizerischen Post immer Vortritt und dürfen dort das Dreiklanghorn verwenden.“.

Bergpoststraße

Gegen 15 Uhr treffe ich ich Fiesch ein und beziehe mein Zimmer in der Jugendherberge. Es soll ja am Abend regnen und da hatte ich keine Lust auf Zelten. Ich bin mit dem Zimmer sehr zufrieden, zumal es nur 53 CHF kostet!

Zimmer in der Jugendherberge Fiesch

Der Bahnhof der Matterhorn-Gotthard-Bahn Fiesch Feriendorf befindet sich direkt vor der Haustür! Den Abend verbringe ich noch mit Essen in einer Pizzeria, Wäsche waschen und Filme gucken und schaue mir noch kurz das Dorf an.

Bahnhof und Talstation der Seilbahn
Fiesch

Montag: Wandern in Fiesch

Am nächsten Tag soll es nun endgültig regnen, daher beschließe ich, noch einen Tag hier zu bleiben. Leider lässt sich der Aufenthalt in der Jugendherberge nicht verlängern, ich buche ein etwas teureres Hotel und stelle dort mein Gepäck und auch mein Fahrrad ab. Im Tourismusbüro lasse ich mich bzgl. Wanderungen beraten und gehe einen Teil des Gommer Höhenwegs. Zunächst geht's mit der Matterhorn-Gotthard-Bahn nach Münster.

Münster
Gluringen

In Gluringen beende ich dann auch die Wanderung. Angesichts des schlechten Wetters verliere ich die Lust. Den Rest fahre ich mit der Matterhorn-Gotthard-Bahn zurück.

Matterhorn-Gotthard-Bahn

Im Hotel Fiesch heißt „Hotel Du Glacier“, ist relativ alt (also auf historisch gemacht), leider heißt das auch Holzdielenboden wo der Schrank wackelt wenn man aus dem Bett aufsteht. So richtig begeistert war ich also nicht. Überhaupt, durch das schlechte Wetter und auch die ungewisse Vorhersage am nächsten Tag war meine Stimmung wieder ziemlich unten. Eigentlich wollte ich ursprünglich am Sonntag den Pass fahren und jetzt ist nichtmal klar, ob ich ihn am Dienstag fahren kann.

Hotel du Glacier

Dienstag: Kein Pass

Der nächste Tag beginnt mit Regen, auf der Alpennordseite sieht es noch schlechter aus. Der Regen hört langsam auf, ich beschließe zu starten aber nicht wie geplant mit dem Zug bis Oberwald sondern weiter im Rhonetal aufwärts.

Leider noch wolkenverhangen

Das erste Highlight ist die Hängebrücke Goms Bridge, die natürlich geschoben werden muss. Mir ist ganz schön mulmig dabei, da sie sich natürlich bewegt.

Hängebrücke

Ich fahre also die ganze Zeit die Rhone-Route (1) flussaufwärts. Das Wetter wird besser.

Bei Reckingen
Militärflugplatz

Alles in allem gefällt mir das Rhone-Tal schon sehr gut: Die sich wandelnde Landschaft, die Möglichkeit mit den Seilbahnen bis zum Gletscher hochzufahren, leider hat halt das Wetter nicht ganz gepasst. Ich komme vorbei an kleinen Dörfern, hatte eigentlich vor, nochmal in einer Pension zu übernachten, habe aber nichts preislich überzeugendes gefunden. Gegen Nachmittag wird es sehr windig – Gegenwind. Ich beerdige endgültig den Plan, heute einen Teil des Passes zu fahren und fahre schließlich bis zum Ende des Tals Oberwald.

Der Glacier-Express der Matterhorn-Gotthard-Bahn

Angekommen in Oberwald sticht dann als erstes der Bahnhof ins Auge, der aus zwei Teilen besteht: Der normale Bahnhof der Matterhorn-Gotthard-Bahn mit Autoverlad, der die Strecke durch den Furka-Basistunnel bedient. Daneben befindet sich der Bahnhof der Dampfbahn Furka-Bergstrecke, der eben von jener Museumsbahn bedient wird (neben Dampfzügen fahren auch Dieselzüge). Die Museumszüge fahren lediglich an bestimmten Tagen im Sommer.

Bahnhof Oberwald, rechts die Gleise der Museumsbahn
Blick auf den Bahnhof, rechts sieht man die Autotransportzüge (im Furka-Basistunnel findet Autoverlad statt)
Bahnübergang mit Zahnrädern (wenn die Übergang geschlossen ist, werden die Zahnräder hochgefahren)

Zum Dorf Oberwald gibt es wenig zu sagen, ein paar Häuser, eine kleine Kirche, ein Fahrradladen, Rathaus, Post und ein kleiner Supermarkt. Tatsächlich habe ich in der Schweiz in jedem kleinen Dorf einen Supermarkt gefunden, wenn auch etwas teurer als die großen Ketten. Sehr angenehm, hätte ich in Deutschland auch gerne!

Als erstes checke ich aber den Zeltplatz, nachdem auf E-Mails nicht reagiert wurde weiß ich nichtmal, ob noch was frei ist. Der Campingplatz nennt sich Forest Lodge & Camping, neben einem Stellplatz für Wohnmobile Zelten gibt es auch viele Zimmer, Aufenthaltsräume etc. Viel ist nicht los, ich rufe die in der Rezeption angegebene Telefonnummer an und der Herr meinte, ich soll mir einfach was aussuchen. Ich stelle mein Zelt etwas geschützt am Haus neben ein anderes Zelt und neben einen Baum und fahre dann Einkaufen.

Camping

Im Bahnhofscafé gönne ich mir einen Kaffee und angesichts der Kälte mache ich mir etwas Sorgen um die Nacht. Was sind eigentlich diese Angaben Grenztemperatur, Komforttemperatur und Extremtemperatur. Ich stoße auf den Artikel Temperaturangaben bei Schlafsäcken? Was bedeuten sie wirklich? eines Outdoor-Versenders. Ich lerne dass sich das Ganze auf den Norm-Mann bezieht, der 25 Jahre alt, 70 kg schwer, 1,73 m groß ist. Nun, ich bin älter, größer und vor allem schwerer, habe aber im Fichtelgebirge mit meiem Aldi-Schlafsatz trotzdem gefroren. Aber vielleicht waren die Angaben einfach falsch und passen auf dem jetzigen, teuren Daunenschalfsatz. Wird schon werden, ich habe eh keine Alternative.

Nochmal zu Oberwald: Man befindet sich quasi am Ende der Welt. Das Rhone-Tal „endet“ hier, gäbe es nicht den Pass (der im Winter geschlossen ist) und den Tunnel (der erst seit 1984 existiert) müsste man zum Erreichen der Zivilisation wieder Richtung Brig zurückfahren. Aber genau deshalb gefällt es mir hier so gut, ich mag Täler, ich mag Ecken. Die beiden anderen Zelte gehören zu vier Studierenden aus Deutschland, die zum Klettern hier sind. Die Nacht wird ungefähr 5 °C kalt, ich schlafe aber gut, die Angaben auf dem Schlafsack scheinen zu passen.

Es ist einfach wunderbar, so einzuschlafen

Mittwoch: Der Pass

Nun also endlich: Die Wolken haben sich verzogen, ich kann guten Gewissens den Pass in Angriff nehmen. Das ist der erste Pass, den ich ohne E-Bike fahre. Aber wird schon werden, es gibt ja immer noch das Postauto und vor allem: Schieben und warten. Der erste Teil geht nach Gletsch, dort trennt sich dann die Strecke in Furkapass (nach Andermatt ins Rheintal) und den Grimselpass zur Aare.

Pässe offen, Steigung bekannt
Da muss ich hoch...
Oben sieht man den Pass, in der Mitte die Strecke der Furka-Bergstrecke
Ein müder cycletux nach der Mittagspause

Die Entschädigung für die Mühen ist der herrliche Ausblick, das schöne Wetter (angenehm trocken, nicht schwül) und fährt mir in Form einer Dampflok dann vor die Linse.

Furka-Dampfbahn

Extrem nervig ist der Verkehr, und vor allem die Motorräder, die laut und teilweise rücksichtslos an einem vorbeiziehen. Natürlich hätten die gerne, man würde als Radfahrer ganz rechts fahren, damit sie schön eng überholen können. Aber wenn rechts der Abhang ist – die niedrigen Leitplanken helfen einem da als Radfahrer auch nicht, man würde drüberfliegen – werde ich den Teufel tun und ganz rechts fahren. Lieber noch eine Körperlänge Abstand damit ich im Fall des Falles bloß auf die Straße fliege und nicht den Abhang runter. Wenn rechts der Felsen ist, gestaltet sich die Fahrt entspannter. Ich wäre für eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 60 km/h auf solchen Pässen. Ich gönne jedem seinen Spaß, aber die Grenze ist da, wo die Sicherheit und damit das Leben der anderen beeinträchtigt wird.

Erster Zwischenstopp ist dann Gletsch, ein kleines Bergdorf. Im Bahnhoffshop kaufe ich einen Kaffee und Postkarten.

Bahnhof Gletsch der Furka-Bergstrecke
Postauto mit Fahrradträger
... wenn die ganzen Autos nicht wären ...
Hotel Glacier Du Rhone

Wie schon erwähnt trennen sich in Gletsch die Pässe. Auf dem Grimselpass war deutlich weniger Verkehr, aber die ganze Fahrt war schon sehr schweißtreibend und anstregend.

Blick auf die Rhone und den Furkapass

Um 14:15 Uhr bin ich dann endlich angekommen. Angenehm frisch dort oben, herrlichstes Wetter, keine einzige Wolke sichtbar. Das Glücksgefühl war nur etwas getrübt von der Tatsache, dass ich dort feststellte, dass ich meine relativ neue Softshell-Jacke verloren habe. Wohl irgendwo liegenlassen? Aber deshalb jetzt den ganzen Pass nochmal runter auf Verdacht war mir die Sache dann doch nicht wert, der Wiederbeschaffungswert lag letztlich bei knapp 50 € dank Schlussverkauf. Erstmal Fahrrad anschließen, Eis und Getränk kaufen und etwas am am Totesee spazieren gehen.

Endlich, der Grimselpass

Anschließend ging ich zum Murmeltierpark und einmal um den See. Es ist wirklich herrlich, alleine diese klare Luft.

Murmeltierpark
Blick über den Totesee
Kapelle

So schön's oben war, irgendwann muss ich runter. Übernachtungsmöglichkeiten gibt's zwar oben, aber die waren ohnehin heute ausgebucht. Was mich aber auch noch gereizt hätte wäre die Oberaarstrasse und dann im Berghaus übernachten, das allerdings weniger ein Hotel und mehr eine Berghütte ist, also mit Matratzenlager.

Links der Grimselsee, rechts der Räterichsbodensee
Das Grimsel-Hospiz

Zur Abfahrt gibt's wenig zu sagen. Die Bremsen glühen, das Tal ist eng, es ist wenig Verkehr. Das erste Dorf ist Guttannen, ich fahre bis Innertkirchen, dort befinden sich mehrere Campingplätze. Und es gibt wieder einen Bahnanschluss mit der sog. Meiringen-Innertkirchen-Bahn.

Die Meiringen-Innertkirchen-Bahn
Die Aare in Innertkirchen

Ich entscheide mich für den zweiten Campingplatz, Camping Grund, war im Nachhinein mit der Wahl aber nicht ganz so zufrieden, einfach weil auf der Zeltwiese auch Autos standen und ausgerechnet an dem Tag Leute meinten, um 3 Uhr in der Früh mit dem Auto losfahren zu müssen. Bei vielen anderen Plätzen gibt es eine getrennte Zeltwiese ohne Autos.

Insgesamt aber ein wirklich schöner Tag, an den ich mich noch lange erinnern werde. Die Berge sind so schön!

Donnerstag: Die Aare und der See

Eigentlich hatte ich einen super entspannten Tag geplant. Ab jetzt ist alles flach, die Aare entlang. Tja, man sollte vorher das Höhenprofil anschauen, aber dazu später mehr. Zunächst wollte ich die Aareschlucht anschauen, wurde mir vom @K1ngdaKa88 empfohlen. Nach Innertkirchen geht es zunächst den Berg hoch, da die Aareschlucht so schmal ist, dass keine Straße mehr durchpasst. Irgendwie logisch, sonst wäre es keine Schlucht. Für die Bahn wurde ein Tunnel gebaut. Vorbei kam ich dann am Campingplatz Aareschlucht, den ich eigentlich von der Lage her empfehlen würde, einfach weil er direkt an der Aare liegt.

Die „Passfahrt“ ist natürlich nichts im Vergleich zum Grimselpass, trotzdem hat mich ein ungarischer Bus so eng gestreift dass ich richtig Angst bekommen habe. Hätte es sich um ein Schweizer Kennzeichen gehandelt, hätte ich wohl Anzeige erstattet. Aber die Aussichten gegen ein ungarisches Kennzeichen sind ja praktisch nicht vorhanden. Bis die Bürokratie ihren Lauf nimmt ist der Bus sicherlich schon über alle Berge (im wahrsten Sinne des Wortes).

Die Aare bei Meiringen, kann man gar nicht genug ablichten
Bahnhof Meiringen, betrieben durch die Zentralbahn

Zunächst geht's zum Bahnhof, das Gepäck in ein Schließfach verfrachten. Leider nimmt das Schließfach nur 5-Franken-Münzen, die ich erstmal am Schalter wechseln muss. Wurde aber sehr freundlich erledigt. Von dort fahre ich mit dem gepäcklosen Fahrrad zum Bahnhof Aareschlucht West, wo man dann in 5 Minuten am Eingang der Schlucht ist. Dort löst man ein Ticket, welches gleichzeitig als Rückfahrt für die Bahn gilt.

Die Schlucht hat mir gut gefallen, leider war's doch arg voll, man hätte in der Pandemie das Ganze als Einbahnstraße ausweisen sollen. An die Maskenpflicht hat sich auch nur ungefähr die Hälfte gehalten und ich empfand sie angesichts der hohen Luftfeuchtigkeit und des damit verbundenen ständigen Beschlagens meiner Brille als störend.

Eine der engsten Stellen der Schlucht
Ich liebe einfach dieses milchige Wasser der Aare

Der Rückweg startet dann am Bahnhof Aareschlucht Ost, der sich im Berg befindet. Leider war die Bahn wirklich sardinenbüchsenmäßig voll, nicht gut in der Pandemie. Zum Glück hatten wenigstens alle Masken auf. Hier fasste ich auch den Entschluss, mich nach der Rückkehr auf SARS-CoV-2 testen zu lassen. Sicher ist sicher.

Bahnhof Aareschlucht Ost

Nach einer Station steige ich aus, finde mein Fahrrad, radle zurück zum Bahnhof und hole mein Gepäck. Nach einer kurzen Mittagspause und Besichtigung des Orts geht's nun also endgültig los entlang der Aare Richtung Brienzersee, dem östlichen der beiden Seen, wo zwischen denen Interlaken liegt.

Die Englische Kirche in Meiringen
Statue von Sherlock Holmes
In den grössten Kaskaden der Reichenbachfälle soll die von Arthur Conan Doyle geschaffene Romanfigur Sherlock Holmes mitsamt Professor Moriarty am 4. Mai 1891 hinabgestürzt sein. Holmes überlebte jedoch und nutzte die Gelegenheit, um seinen eigenen Tod zu inszenieren und später den erfolglosen Todesschützen Moran zur Strecke zu bringen.
Die Zentralbahn hat auch schöne lokbespannte Züge

Erst bin ich Trottel ziemlich steil den Berg hochgefahren bis ich irgendwann kapiert habe, dass es die falsche Route ist. Es ging dann bis zum See total flach entlang von wenig befahrenen Nebenstraßen, also genau so wie ich es mag. Es war warm aber nicht zu heiß und vor allem nicht schwül.

Landschaft im Tal der Aare

Am Brienzersee ging es dann allerdings ziemlich steil den Berg hoch. Die Radroute führt entlang der alten (leider doch verhältnismäßig stark befahrenen) Straße südwärts. Als flache Alternative kann man aber auch vom Weg abweichen und den See auf der flachen Nordseite entlang fahren, der Weg trifft sich dann in Interlaken. Entschädigt wird man auf der steilen Südroute, auf der ich durchaus auch geschoben habe, mit einem herrlichen Ausblick über den See und vor allem den Giessbachfällen.

Der Brienzersee
Die Giessbachfälle
Hotel bei den Giessbachfällen

Leider war's da schon 16:30 Uhr. Und ich hatte noch keine Unterkunft. Ich fuhr vorbei an Istelwald, aber da war nichts mehr frei. An einem anderen Campingplatz hätte es noch ein Platz gegeben, allerdings ziemlich schief gelegen und ohne Einkaufsmöglichkeit in der Nähe. Bin dann nach Interlaken weiter, der Campingplatz, also die Rezeption hat gerade schon geschlossen, aber ich durfte mich noch reinquetschen. Ich war ziemlich erleichtert. Mein Vorteil war dann auch dass ich im Winter schonmal in Interlaken war, also mich einigermaßen auskannte.

Der Campingplatz liegt direkt an der Aare in der Nähe der Standseilbahn zum Harder Kulm an der Nordseite. Meine Zeltnachbarn, ein älteres Ehepaar aus der italienischen Schweiz gab mir noch die Empfehlung in der Jugendherberge zu essen, für knapp 20 Franken gab's dort ein Menü mit Nachspeise, ich war sehr froh mal wieder was „richtiges“ (warmes) zu essen ohne gleich arm zu werden.

Die Aare bei Interlaken

Freitag: Entlang des Thunersees

Wettermäßig begann der heutige Tag so schön wie der letzte aufgehört hat. Frühstück direkt am Seeufer, was gibt es schöneres?

Frühstück mit Enten

Nachdem es mit der Kurtaxe 10 Franken Ermäßigung für die Harder-Kulm-Seilbahn gab (30 Franken statt 40 für hoch und runter), hat's mich doch gejuckt damit mal hochzufahren und den Blick über das Tal zu genießen. Es war eine gute Idee, so früh zu fahren, denn zwei Stunden später war auch die Seilbahn richtig voll.

Ausblick vom Harder Kulm

War zwar schön aber für die knappe Stunde hat sich das dann auch irgendwie nicht gelohnt. So, nun also zum Campingplatz, Zelt abbauen, und aufsatteln. Gegen 11 Uhr fahre ich dann los Richtung Bern, entscheide mich aber schon, nicht bis Bern zu fahren sondern zwischen Thun und Bern zu übernachten.

Fallschirmspringen in Interlaken
Interlaken-Unterseen
Kirche in Unterseen
Die rote schweizer Plastikkuh

Der Radweg ist heute flach, führt dafür aber teilweise auf einem gelb gezeichneten Streifen entlang der Bundesstraße. Für mich etwas verwirrend dass Bundesstraßen in der Schweiz blau beschildert werden, also wie in Deutschland Autobahnen – die dort grün sind. Den Thuner See bekommt man aber oft genug zu Gesicht, und wo Dörfer sind, fährt man auch dann durch diese statt entlang der Bundesstraße.

Der Thuner See

Es geht durch ein Waldstück bis ich Thun erreiche. Die Stadt habe ich bereits im Winter angeschaut, aber was mir da natürlich nicht klar war, dass man in dem Fluss baden kann und dass von der Möglichkeit auch rege Gebrauch gemacht wird. Vor allem Kinder und Jugendliche stehen auf den Brücken in Badebekleidung und springen von dort in die Aare. Auf dem Weg zum Campingplatz entdecke ich noch das Schloss Schadau.

Schloss Schadau
Flussbad in Thun

Der Campingplatz in Thun hat leider nichts mehr frei, also wieder zurück. Man verweist mich nach Wydeli. Dort muss mein Zelt neben zwei große Campingbusse, dafür gibt's ein Naturbad welches von einem Bach gespeist wird und immerhin einen kleinen Dorfladen! Der Schlaf ist wie immer erholsam.

Überhaupt, dachte ich am Anfang noch dass ich vielleicht eine Nacht abwechselnd in einer Pension und im Zelt übernachte so habe ich mittlerweile das Gefühl, dass ich im Zelt besser schlafe. Klar, man hat keine Matratze sondern bloß eine Isomatte, dafür eine herrlich frische Luft und Naturgeräusche. Das gleicht es dann wieder aus.

Auf nach Bern

Dass ich die Wochentage im Reisebericht weglasse liegt einfach daran dass ich sie auf der Reise auch vergessen habe. Einzig dass am Sonntag die Geschäfte nicht offen haben nervt, aber ansonsten verliere ich langsam das Zeitgefühl. Zunächst muss ich wieder auf die Hauptroute (der Campingplatz lag abseits), und von da an folge ich wieder der „8“. Die Route ist heute flach, zumindest bis Bern.

Eisenbahnbrücke über die Aare
Yeah, ein ICE (der Linie Interlaken – Berlin)

Ich bin etwas erstaunt als ich den Flughafen Bern sehe, ich dachte erst es wäre ein Flugplatz für Hobbyflieger, dabei ist es ein richtiger Verkehrsflughafen mit zugegebenermaßen sehr wenig Betrieb.

Flughafen Bern
Terminal, man beachte die große Breitling

In Bern landet man dann zunächst in Wabern, ich bin aus Interesse direkt zum Campingplatz gefahren, wo eine wirklich sehr große Zeltwiese war, da wäre noch genug frei gewesen. Auf der einen Seite hatte ich schon Lust dort gleich zu bleiben, auf der anderen Seite war's von der Route her geschickter, auf dem anderen Campingplatz nach Bern zu übernachten einfach weil das am nächsten Tag eine Stunde Zeit spart. Auch in Bern schwimmt man in der Aare, die hier eine starke Strömung aufweist so dass man nicht zurückschwimmen kann sondern am Weg zurückläuft.

Aare in Bern-Wabern

Das geniale an der Wegführung des 8er-Wegs innerhalb Berns: Man kommt an vielen Sehenswürdigkeiten direkt vorbei.

Kornhausbrücke
Blick auf die Untertorbrücke
Nydeggkirche
Zytglogge
Das Bundeshaus vom Bundesplatz aus gesehen

Nach einem Eis und nachdem ich die wichtigsten Teile der Innenstadt gesehen habe, folge ich dem Weg weiter, ungefähr 7 km flussaufwärts, und dann bin ich angekommen beim Campingplatz Bern-Eymatt. Wie in Interlaken ein TSC-Campingplatz, also relativ teuer aber eigentlich auch relativ komfortabel, WLAN inklusive und auch Stromboxen auf dem Zeltplatz wo ich meine ganzen Powerbanks mal aufladen kann. Außerdem wasche ich meine ganze Kleidung mal, anschließend geht's endlich in die Aare zum Schwimmen. Hier ist die Strömung nicht so stark, aber ich hab tatsächlich Mühe gegen die Strömung zurückzuschwimmen.

Die Zeit vergeht einfach wie im Flug. Mir ist nie langweilig, das Radfahren, Twittern, und die ganzen organisatorische Dinge (also Zelt aufbauen, abbauen, Einkaufen, essen, fotografieren) füllen den Tag. Als Abendessen gönne ich mir einen Burger am Campingplatz, der auch sehr lecker ist. Keine Ahnung ob die Pommes wirklich selbstgemacht waren, aber sie waren definitiv besser als das was man normalerweise als Fertigpommes aus der Friteuse so bekommt!

An diesem Tag treffe ich in der Innenstadt dann auch den @janjungen, hierzu fahre ich aus Bequemlichkeit mit dem Bus in Form eines Postautos in die Stadt. Der Bus ist nämlich in der Kurtaxe inkludiert, und ich bin begeistert über die Komfort (Klimaanlage!) und den 10-Minuten-Takt. Jan hat mir dann noch ein paar Ecken gezeigt und wir haben den Tag bei einem Kaltgetränk in der Innenstadt ausklingen lassen. Kurz vor 22 Uhr war ich dann wieder zurück – das Zelt stand noch :-)

Ausblick
Marzili-Bahn

Zu den Seen

Das Wetter bleibt schön, es wird aber langsam heißer und schwüler. Für die kommenden Tage soll es dann gewittrig werden, davon ist heute aber noch nichts zu spüren. Die Route startet flach durch den Wald entlang des Wohlensees, bald geht's dann aber hügeliger durch den Wald und man muss ab und zu das Fahrrad über eine Brücke schieben.

Wasserkraftwerk
(Stillgelegtes) Kernkraftwerk Mühleberg

Langsam wird's flach, ich durchquere ein Naturschutzgebiet und erreiche gegen Mittag Aaarberg. Leider gibt's nichtmal eine Bäckerei in der Innenstadt, die mir was zum Mittagessen verkauft. Letztlich kommt mir der Gedanke dass vielleicht am Bahnhof was offen hat und siehe da, ein kleiner Supermarkt. Na also! Der recht junge Verkäufer an der Kasse trägt übrigens eine Maske und war wohl auch ganz angetan, mal wieder einen der seltenen Kunden mit Maske zu sehen.

Naturschutzgebiet Niederried-Oltigenmatt
Aarberg

Jetzt wird's endgültig flach wie in Norddeutschland. Der Plan ist, zum Bieler See zu fahren, den südlich zu umrunden und im Süden zu übernachten um dann am nächsten Tag auf der Westseite am Fuße des Jura wieder nördlich der Aare zu folgen. Leider haben alle Campingplätze schon voll. Ich google etwas und finde am Neuenburgersee einen Campingplatz mit Kapazität von 94 Zelten, den ich zwar telefonisch nicht erreiche, aber ich war mir sicher dass da noch was frei sein muss. Also folge ich meiner Intuition.

Die Hitze ist trocken und irgendwie fühle ich mich an dem Nachmittag total gut, total frei, einfach irgendwie beschwingt, wie so ein Jugendlicher der zum ersten Mal auf großer Reise unterwegs ist, schwer zu beschreiben. Gleichzeitig komme ich mir komisch vor, wie wenn dieses Gefühl irgendwie „falsch“ ist, weil es nicht der Realität und den gesellschaftlichen Erwartungen entspricht. Man merkt tatsächlich die Sprachgrenze, nicht nur dass die Leute französisch sprechen, die Gebäude schauen irgendwie „französischer“ aus, fast wie am Mittelmeer.

Letztlich werden's an dem Tag dann 77 km, obwohl ich weniger eingeplant hatte, aber ja, es war noch was frei und eigentlich ist es sogar wie ein 6er im Lotto: Ich darf mein Zelt direkt am See aufstellen. Der Campingplatz ist riesig, viele Wohnmobile aber die Zeltwiese ist abgetrennt. Man bekommt eine Nummer und soll sich genau auf den eingezeichneten Platz stellen. Das mit der Nummer verstehe ich, schließlich müssen sie ja wissen ob jemand bezahlt hat. Es ist glaube ich sogar der günstigste Campingplatz, er wird von der Kommune betrieben.

Wasserkraftwerk am Bielersee
Erlach
Le Landeron
Kanal
Zelt am See
Eine Schwanenfamilie
Neuenburgersee

In den Süden

Heute ist Montag, langsam muss ich mir Gedanken um die Rückfahrt machen. Spontan entscheide ich, weiter in den Süden bis Lausanne zu fahren und die Rückfahrkarte am Abend zu kaufen. Zumindest auf dem deutschen Streckenabschnitt scheint die Reservierung zu klappen, ich bin verhalten guter Dinge. Der Tag beginnt genauso schön wie der gestrige aufgehört hat, für heute sind aber Gewitter vorhergesagt. Daher will ich mein Etappenziel bis 15 Uhr erreichen.

Cudrefin
Der See

Größtenteils führt der Weg eher durch die Natur, ich komme aber durch eine richtig schöne Stadt Estavayer-le-Lac.

Estavayer-le-Lac
Innenstadt in Estavayer-le-Lac

Für den heutigen Campingplatz habe ich sogar eine Reservierung, es kann also nichts schiefgehen. Er liegt in der Stadt Yverdon-les-Bains am See, allerdings nicht so dass man sein Zelt direkt am See aufstellen könnte wie vorher. Dazwischen befindet sich noch eine Hecke und ein Weg. Dafür ist er recht luxuriös ausgestattet, es gibt sogar eine Küche. Ich baue schnell mein Zelt auf, es schaut nach Regen aus.

Danach geht's zum Bahnhof die Rückfahrkarte kaufen, was letztlich problemlos klappt, allerdings kostet die Fahrradkarte 35 Franken statt 9 €, weil jede einzelne Reservierung 5 Franken kostet und auch der innerschweizerische IC reservierungspflichtig ist. Aber ich bin froh dass es überhaupt so kurzfristig klappt, etwas Angst und Bange bereitet mir nur der 7-Minuten-Umstieg in Zürich, aber dazu später mehr. Noch ein kurzer Stadtrundgang, und dann ab ins Zelt, ich will trocken bleiben.

Bahnhof
Theater
Innenstadt
Schloss von Yverdon

Schickes kleines Städtchen, ich bin echt angenehm überrascht von der französischen Schweiz. Entspricht so gar nicht dem Bild, das man im Kopf hat, wenn man an die Schweiz denkt. Ich schaff's noch bis zum Regen zum Zeltplatz. Das Zelt übersteht sowohl den Wind als auch den Regen, und am Abend gehe ich noch in den See schwimmen (warm und flach) und lese etwas.

Nach dem Gewitter
Sonnenuntergang

Das Finale

Tja, der letzte Tag ist angebrochen. Wehmut kommt bei mir langsam auf. Die letzte Etappe führt über ein paar Hügel nach Lausanne am Genfer See. Es ist nochmal schwülheiß ohne richtige Gewitterneigung, zumindest sagt mir das mein Bauchgefühl, und es sollte Recht behalten.

Yverdon-les-Bains
Kornfeld
La Sarraz

Woran ich nicht gedacht hatte, dass man am Genfer See wieder die Alpen sieht. Aber klar, auf der anderen Seite ist Frankreich und damit sind auch die Französischen Alpen wieder präsent! Bis zum Zeltplatz sind es aber noch 5 km mehr oder weniger am See entlang.

Genfer See

Ich war wieder auf gut Glück unterwegs, aber der Zeltplatz in Lausanne hat zum Glück zwei große Zeltwiesen so dass es kein Problem war, noch was zu bekommen. Auch in Lausanne war in der Kurtaxe ein Tagesticket für den ÖPNV inkludiert, so dass ich dann doch nochmal in die Stadt geschaut hab, obwohl ich eigentlich ziemlich müde war.

Hafen von Lausanne

Lausanne ist die einzige Stadt in der Schweiz mit „richtiger“ U-Bahn, im Stil einer französischen Metro, also mit Bahnsteigtüren. Die Stadt ist direkt am Berg gebaut, folglich sehr steil, insofern ist die U-Bahn eine große Erleichterung, da sämtliche Wege in der Stadt recht schweißtreibend sind.

Lausanne Bahnhof
Innenstadt
Zum Abschluss nochmal der Genfer See

Mit dem Zug zurück

Am Mittwoch war's schon am Morgen recht schwül, es gab kaum Abkühlung in der Nacht. Das war der einzige Grund warum ich mich irgendwie gefreut habe, dass der Urlaub zu Ende geht, ansonsten hätte ich schon noch ein paar Tage Lust gehabt, einfach weiterzufahren.

Die Zugfahrt an sich verlief belanglos, die ICN (mit Neigetechnik) zwischen Lausanne und Zürich fand ich ganz bequem. Einzig der Umstieg in Zürich, in 7 Minuten vom Tiefbahnhof zum Kopfbahnhof, war problematisch. Da ich den Bahnhof schon kannte, am Vortag nochmal den Plan studiert habe, zusätzlich noch meinen Experten auf Twitter und den Schaffner im Zug gefragt hatte, bin ich sofort mit Fahrrad zum Aufzug gestürmt und war letztlich mindestens 3 Minuten vor Abfahrt des Zuges im Zug. Die zwei anderen Radfahrer im Zug hatten genau den gleichen Umstieg, haben die Treppe genommen (sie hatten keine Taschen) und haben es auch geschafft.

Der Zug von Zürich nach Stuttgart bestand aus älteren SBB-Wagen mit schlechter Klimaanlage, ich hatte mich richtig auf die IC2 gefreut. Zu meinem Leidwesen fuhr dann aber in Stuttgart ein klassischer IC ein, es gab noch eine Diskussion mit dem Schaffner weil meine Reservierung nicht auf seiner Liste stand, die Klimaanlage im Steuerwagen war defekt. Dafür hat die Klimaanlage drei Wagen weiter sehr gut informiert, es war ruhig, eine sehr entspannte Fahrt, ich wäre am liebsten bis München sitzen geblieben. Pünktlich auf die Minute in Ansbach, noch mit der S-Bahn und nach Hause. Ein sehr schöner Urlaub ging zu Ende!

Fazit

Es war eindeutig mein schönster Radurlaub. Das Wetter hat mitgespielt obwohl es am Anfang zu regnerisch und am Ende zu heiß war, trotzdem, ich war zufrieden, ich konnte meinen Plan gut anpassen. Zwischendrin habe ich drei nette Leute von Twitter getroffen und das Highglight war das Zelten. Auch nach 7 Nächten im Zelt hab ich mich sehr gut gefühlt und würde es jederzeit wieder so machen.

Und hier noch wie versprochen die Karte:

#TuxDeSuisse

Ausrüstung

Viel Zeit und Geld hatte ich in die Ausrüstung investiert. Ich bin irgendwie jemand der weniger auf Tipps von anderen hört und sich selbst informiert. Menschen sind nunmal verschieden und ich mache irgendwie gerne mein eigenes Ding und meine eigenen Fehler.

Zelt

Als Zelt wollte ich ein 1-Mann-Zelt, welches vor allem leicht und klein ist, welches ich auch mal zum Trekking verwenden kann wo die Größe noch wichtiger ist als beim Radfahren. Und ich wollte unbedingt vermeiden, noch mit Lenkertaschen unterwegs sein zu müssen. Mir ist auf meiner Recherche relativ früh das VAUDE Lizard SUL 1-2 p ins Auge gesprungen, und nach langem Zögern habe ich mich dann auch dafür entschieden. Im Ausverkauf (das Modell wird wo nicht mehr produziert) habe ich es dann für 350 € bekommen. Alles in allem bin ich damit sehr zufrieden, habe allerdings jetzt auch keinen Vergleich da es mein erstes Zelt ist. Eines kann ich aber sagen: Es ist ein Einmannzelt, das 1-2 Personen ist irreführend. Genau diese Aussage liest man auch oft in Testberichten im Internet.

Isomatte

Als Isomatte hatte ich mich für eine selbstaufblasende von Term-a-rest entschieden. Mit dem Schlafkomfort war ich zufrieden, nervig ist allerdings das relativ große Packmaß und dass das Zusammenrollen etwas aufwendig ist. Daher habe ich mir für die nächste Tour auch eine leichtere, rein aufblasbare zugelegt, eine Vaude Performance 7 L, die ist deutlich kompakter, liegt sich aber auch etwas anders. Ich bin gespannt! (Die von Vaude wurde es letztendlich weil sie laut Testberichten weniger knistert.)

Schlafsack

Den Schlafsack hatte ich anfangs massiv unterschätzt. So hatte ich auf meiner ersten Zelttour dieses Jahr (coronabedingt leider erst im Juli) nur eine für 20 € von Aldi dabei. Damit hatte ich dann die Nacht ziemlich gefroren. Ersatz musste her. Wie beim Zelt war mir ein kleines Packmaß wichtig und dass man zumindest bis 10 Grad komfortabel schlafen kann.

Es wurde letztlich eine Yeti Tension Mummy 300 L für knapp 200 €. Im Kompressionssack lässt sie sich wirklich klein zusammenpacken, hat eine Komforttemperatur von 6 Grad. Ausschlaggebend für mich war dann auch, dass sie in verschiedenen Größen erhältlich ist, und (im Gegensatz zu einem recht oft erwähnten polnischen Herstellern) ganz gut und schnell in deutschen Online-Shops lieferbar ist. Ich bin 1,85 cm groß und damit liegt man bei den typischen Einheitsgrößen so ziemlich an der Grenze oder sogar darüber. Ich war auf der Tour mit dem Schlafsack sehr zufrieden, schön kuschelig, ausreichend groß, ich habe weder gefroren noch geschwitzt.

Zusätzlich zum Schlafsack habe ich ein Campingkissen, welches natürlich etwas Luxus ist (weniger vom Gewicht, mehr von der Größe), aber auf welches ich nicht wirklich verzichten wollte.

Kleidung

Kleidung hatte ich recht wenig dabei, eine lange Wanderhose, eine kurze Fahrradhose, drei T-Shirts (eines aus Merinowolle wobei ich jetzt nicht so begeistert war wie viele es sind), etwas Unterwäsche. Statt für jeden Tag Unterwäsche mitzunehmen habe ich ab und an am Campingplatz mit Rei in der Tube gewaschen, das spart viel Gepäck.

Elektronik und Stromversorgung

Ich hatte lediglich mein iPhone SE, meine AirPods und einen Tolino E-Book-Reader dabei. Außerdem zwei Powerbanks mit 20000 mAh. Ich hatte lange mit diversen Solarpanels experimentiert aber letztlich wieder zurückgeschickt, da sie eigentlich nur mit direkter Sonne gut funktionieren und direkt am Fahrrad zu unhandlich sind. Letztlich findet man zumindest alle paar Tage, wenn man am Campingplatz übernachtet und nicht wild zeltet, einen Stromanschluss. Vermutlich hätte mir eine Powerbank auch gereicht, die Idee war einfach, dass ich in der Nacht eine Powerbank weggeben kann und mit der anderen Powerbank mein Handy auflade.

Packtaschen

Das Ganze hat dann in zwei Vaude Seitentaschen gepasst und am Gepäckträger hatte ich noch einen wasserdichten Packsack mit dem Schlafsack und dem Kissen. Am Fahrrad selbst dann noch eine dreieckige Tasche zwischen Stange und senkrechtem Rohr wo Geldbeutel, Taschentücher, Luftpumpe, Handy und Powerbank ganz gut und griffbereit reinpassen. Lenkertaschen mag ich irgendwie nicht.

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