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Abschiedsfahrt auf der Vogelfluglinie

Vorwort

Die Vogelfluglinie ist die direkte Bahn- und Straßenverbindung zwischen den Großräumen Kopenhagen und Hamburg, die über die Inseln Fehmarn, Lolland, Falster und Seeland verläuft und nur zwischen Puttgarden und Rødbyhavn eine 19 km lange Fährverbindung über den Fehmarnbelt einbezieht. (Wikipedia)

Konkret geht es um die Eisenbahnverbindung, die Ende 2019 eingestellt wird. Da ich die noch nie gefahren bin, wollte ich sie wenigstens einmal nutzen bevor sie von der Landkarte verschwindet. Grund für die Einstellung ist der Bau des Fehmarnbelttunnels. Nach Kopenhangen geht es 2020 allerdings weiterhin per Zug über Jütland, sogar eine halbe Stunde schneller und elektrisch.

Der Plan

Ich wollte das verlängerte Allerheiligen-Wochenende nutzen. Geplant hatte ich am Freitag nach Fehmarn zu fahren, dann am Samstag die Vogelfluglinie zu überqueren und dann weiter mit Bus nach Gedser, von dort mit der Fähre nach Rostock, am Sonntag die Stadt anschauen und am Montag mit dem Zug über Berlin wieder zurück nach Fürth.

Geplante Route im Norden
(ungefähr, bis Nykøbing Falster auf Schienen)

Für die Hinfahrt hatte ich eine BahnBonus-Freifahrt 1. Klasse für 1500 Punkte eingelöst. Die Vogelfluglinie dann als eigenes Ticket (dank PayDirekt-Coupon faktisch für 20 €, Flexpreis) und die Rückfahrt dann per Sparpreis für günstige 32 €.

Anreise an Allerheiligen

Allerheiligen ist in Süddeutschland frei während die meisten norddeutschen Länder arbeiten müssen, dafür dann allerdings einen Tag davor den Reformationstag feiern. In jedem Fall ein langes Wochenende, ob mit oder ohne Brückentag und dementsprechend viel los. Ich freute mich schon auf meine erste längere Fahrt in der ersten Klasse. Nun, der ICE fuhr pünktlich um halb zwölf in Nürnberg ab.

Im Großen und Ganzen verlief die Reise unproblematisch, wir waren in Hamburg pünktlich. Alles in allem wäre es mir den Aufpreis für die 1. Klasse nicht wert, hätte ich keine Freifahrt gehabt. Ledersitze finde ich ohnehin weniger gemütlich, die Beinfreiheit der zweiten Klasse reicht mir auch. Im Gegenteil: Durch die größeren Abstände sind die Klapptische zum Arbeiten mit dem Laptop meiner Meinung nach zu weit weg. Klar, es ist nicht so voll. Etwas enttäuscht war ich dann allerdings schon dass auch in der ersten Klasse viel Lärm ist, das wäre mir am ehesten noch den Aufpreis wert wenn man wirklich Ruhe hat.

Den Hamburger Hauptbahnhof fand ich grässlich. Es war dunkel und regnerisch, aber die Bahnhofshalle ist sehr ungemütlich, es zieht kalt durch. Natürlich musste ich auch die DB-Lounge ausprobieren, wenn man schonmal 1. Klasse unterwegs ist. Kostenlose Getränke sind nett, es ist angenehm ruhig, allerdings gibt es in anderen Ländern auch für normale Reisende einen vernünftigen, beheizten, ruhigen Wartebereich.

Dann kam es, wie es kommen musste: Aufgrund von Personen im Gleis hatte der EC nach Kopenhagen über 20 Minuten Verspätung, da er nicht rechtzeitig bereitgestellt werden konnte (Personen im Gleis). Dummerweise musste ich in Puttgaden die Regionalbahn nach Burg bekommen, die praktisch einen Bahnhof wieder zurückfuhr, und das nur alle zwei Stunden.

Erstmal gefiel mir aber der dänische IC3, auch »Gumminase« genannt, ein Dieseltriebwagen. Die Strecke ist schließlich eingleisig, nicht elektrifiziert und auf das Schiff können ohnehin keine elektrischen Züge fahren – mangels Oberleitung, sonst müsste man zeitaufwendig rangieren. Die erste Klasse ist dort auch textil und unterscheidet sich von der zweiten lediglich durch die 2+1-er statt 2+2-er Bestuhlung. Das Publikum war hauptsächlich skandinavisch.

Die beiden Zugbegleiter waren sehr nett, wiesen in den ausführlichen Durchsagen auf die erreichten und nicht erreichten Anschlüsse hin, aber leider wartete der Anschluss nach Burg nicht. Ich könnte höchstens noch in Oldenburg aussteigen und dann in die andere Richtung fahren, was aber immer noch über eine Stunde zu spät ist.

Die Übernachtung an diesem Tag hatte ich per AirBnb gefunden, und das war letztlich auch mein Glück: Die Dame war sehr nett und holte mich in Puttgaden ab. Sie meinte das wäre für sie ohnehin besser weil sie um 20 Uhr schon wieder weg auf eine Geburtstagsfeier wollte. Und so blieb es bei 30 Minuten Verspätung. Auf dem Papier waren es aber natürlich trotzdem über 60 Minuten; mal sehen ob ich Bonuspunkte im Rahmen der Fahrgastrechte zurückbekomme.

Mit der Unterkunft hatte ich jedenfalls Glück, ein sehr sauberes, ruhiges Zimmer in einer sehr neuen Wohnung in einem schönen Backsteingebäude.

Einmal Dänemark und zurück

Der erste EuroCity des Tages fuhr leider erst nach 11 Uhr in Puttgarden ab, zu spät wie ich finde. Ich nutzte die Zeit noch für ein Frühstück in einer nahegelegenen Bäckerei und zum Besichtigen von Burg. Nettes Städtchen, nette Gegend, freundliche Menschen. November ist jetzt nicht die allerbeste Reisezeit, vor allem war es an dem Tag dann regnerisch. Aber im Sommer, am besten dann noch mit dem Fahrrad, ich denke ich werde mir den Ostseeküstenradweg mal genauer ansehen.

Leider hat es vormittags schon geregnet, trotzdem hatte ich noch Zeit für einen Rundgang durch die kleine Stadt:

Rathaus
St.-Petri-Kirche

Die Regionalbahn, die mich von Burg nach Puttgarden bringen sollte, hatte 5 Minuten Verspätung, der EuroCity fuhr ihr aber hinterher, also keine Panik. Grundsätzlich ist die Strecke auf Fehmarn eingleisig, nach Burg führt allerdings ein Abzweig als Kopfbahnhof. Bemerkenswert dass sogar ein InterCity ins Rheinland direkt von Burg startet, die touristische Relevanz ist vorhanden. Der Umstieg in Puttgarden klappt problemlos, und dann geht's auch schon direkt los.

Das Spektakel ist unspektakulär, man sieht fast nichts, eine Minute später ist man auf der Fähre und muss aus Sicherheitsgründen während der Überfahrt den Zug verlassen. Der Zug wird aber verschlossen, das Gepäck kann man also getrost drinlassen. Die Überfahrt selbst dauert 45 Minuten. Währenddessen kann man an entweder ins Freie oder nach drinnen, es gibt auch Läden, ein Restaurant und eine Kantine. Leider ist es ziemlich verregnet so dass ich mich nach drinnen verziehe.

Gumminase im Bauch des Schiffes

Jetzt muss ich vor allem mal den restlichen Tag planen. Ich habe nämlich erfahren, dass die Schiffe Rostock – Gedser wegen eines Unfalls nicht fahren. Es wird empfohlen über Rødby und Puttgarden zu fahren, na toll. Die Spätverbindung mit Ankunft 19 Uhr Rostock fährt zwar angeblich, aber irgendwie war mir das zu unsicher. Das Naheliegende wäre gewesen, den gleichen Weg mit dem Zug wieder zurück zu fahren, aber erstens war mir das zu teuer (Flexpreis nach Rostock 60 €) und zweitens hatte ich keine Lust drauf. Glücklicherweise fand ich eine Flixbus-Verbindung direkt von Nykøbing Falster nach Rostock, normalerweise über Gedser, aber heute eben über Rødby. Für schlappe 9 €!

Die Fahrt von Rødby nach Nykøbing Falster dauerte eine knappe Stunde. Es schüttete aus Kübeln.

Bahnhof
Innenstadt

Die Innenstadt hat mir spontan gefallen, bei Regen war mir ein Kaffee im Trockenen dann aber lieber. In Dänemark kann man ja überall mit Kreditkarte zahlen so dass das Geldumtauschen wegen eines Kaffees entfallen kann. Der Bus kommt pünktlich, und so geht's über die Landstraße wieder zurück zum Hafen. Dort müssen wir 20 Minuten warten bis die nächste Fähre kommt.

Im Nachhinein betrachtet ein Glücksfall, den Bus genommen zu haben, dann da bekommt man von der Überfahrt mehr mit. Die Fähre hat zwei Fahrzeugdecks, die Lkws, Züge und Busse unten, die Pkws oben. Die Zufahrt geht parallel über eine Rampe. Die Schiffe fahren alle 30 Minuten. Es sind insgesamt vier Doppelendfähren (es muss nicht gewendet werden) im Einsatz, zwei deutsche (»Schleswig-Holstein« und »Deutschland«) und zwei dänische (»Prins Richard« und ).

Der grüne Bus an Deck
Schöneres Wetter auf der Rückfahrt

Ein paar Worte noch zur Trajektierung. Bis 1995 wurde auch die Strecke Gedser – Rostock (also so wie ich eigentlich fahren wollte) mit Zügen befahren. Die Bahnstrecke ist mittlerweile stillgelegt, die Gleise wurden beim Umbau des Hafens entfernt. Güterverkehr auf Schiene ist halt nicht mehr so gefragt und alleine für den Personenverkehr hat sich's wohl auch nicht gelohnt. In Europa gibt es aktuell drei, bald nur noch zwei trajektierte Strecken mit regelmäßigen Personenzügen:

  • Die eben beschriebene Vogelfluglinie.
  • Die Königslinie von Sassnitz (Rügen) nach Trelleborg (Schweden), derzeit saisonal im Sommer von einem privaten Nachtzug befahren, dem Berlin Night Express von Berlin nach Malmö. Der Zug wurde bis Anfang der 2000er Jahre von der DB und SJ (Schwedische Staatsbahn) betrieben und stand letztlich kurz vor der Einstellung. Nur mit viel Engagement konnte sie noch betrieben werden. Aufgrund des »Greta-Effekts«, der im Norden für steigende Passagierzahlen im Bahnverkehr sorgt, sollen 2020 im Sommer sogar wieder täglich Züge fahren!
  • Die Linie nach Sizilien von Villa San Giovanni nach Messina auf Sizilien. Ein Reisebericht gibt's von mir auch dazu. Die Strecke wird von zwei Nachtzugpaaren und mehreren Tagzügen bedient.

Sowohl auf der Königslinie als auch nach Sizilien gestaltet sich die Trajektierung viel aufwendiger, da keine Triebzüge sondern Wagenzüge verwendet werden und aufgrund der Länge rangiert werden muss. Die Rangierarbeiten auf Sizilien dauern länger als die Überfahrt auf der Vogelfluglinie. Man stellt sich dort wirklich die Frage ob es nicht einfacher wäre, auszusteigen, auf die Fähre zu steigen und drüben wieder einzusteigen. Auf Fehmarn geht das alles ratz-fatz.

Die restliche Fahrt nach Rostock verlief unspektaktulär. Die erste Flixbus-Fahrt wo ich wirklich zufrieden war, Doppelstockbus, wenig los, allerdings hatte ich nach der dreistündigen Fahrt dann trotzdem leichte Rückenschmerzen. Die Züge im IC(E) sind erstens bequemer und zweitens kann man da auch mal aufstehen und rumlaufen, und wenn man sich nur einen Kaffee im Speisewagen kauft.

In Rostock bezog ich dann mein Zimmer im Jellyfish Hostel, das auf den Bildern zwar besser aussieht als in echt aber trotzdem absolut in Ordnung war.

Rostock und Warnemünde

Der Sonntag war der Stadtbesichtigung vorbehalten. Leider wird im November an Sonntagen keine Stadtführung angeboten so dass ich mich auf eigene Faust auf den Weg machte. Das Wetter war insbesondere am Nachmittag sehr schön, angenehm mild und sonnig. Eine wirklich schöne Stadt.

Universität, die in diesem Jahr das 600-jährige Bestehen feiert
Steintor
Kröpeliner Tor
Reste der Stadtmauer
Schön bemalte Trafohäuschen, überall in der Stadt mit unterschiedlichen Motiven, gefällt mir!
Rostock Hbf
Innenstadt von der anderen Seite der Warnow

Nachmittag fuhr ich dann mit der S-Bahn nach Warnemünde, der Hafenstadt mit dem Seehafen. Es war schönes Wetter, die Bilder sprechen für sich.

Warnemünde Bahnhof
Das Molenfeuer Warnemünde
(grün: Westmole, rot: Ostmole)
Leuchtturm
Kirche Warnemünde

Rückfahrt

Zur Rückfahrt am Montag gibt es wenig zu sagen: Mit dem InterCity im modernisierten InterRegio-Steuerwagen geht's von Rostock nach Berlin Hbf, dort gibt es einen 4-Minuten-Übergang (leider nicht bahnsteiggleich wie geplant) in den ICE nach Bamberg und von dort im Regionalexpress nach Fürth. Der ICE verkehrt als Ersatzzug mit ICE-T statt ICE1 wegen ungeklärten ETCS-Problemen. Letztlich kappt aber alles wie am Schnürchen.

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